In Sachsen mussten bislang mehrere hundert Menschen ihre Häuser verlassen. Für mehrere Orte galt Katastrophenalarm. Im Dresdner Stadtteil Gohlis, der in einer Senke liegt, zogen mehr als 300 Bewohner aus Sicherheitsgründen zu Freunden und Verwandten. Dort schwappte die Elbe über den Deich.
Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums sind bislang mehr als 4300 Menschen unmittelbar vom Hochwasser betroffen. Die 120 Dämme entlang der Elbe halten nach Angaben des Umweltministeriums dem Wasser noch stand. Viele Straßen in Elbnähe waren für den Verkehr gesperrt. Gestern Mittag wurden am Pegel Schöna 8,81 Meter gemessen, Dresden registrierte am Mittag 7,42 Meter. Die Rekordwerte der Jahrhunderflut von 2002 werden aber voraussichtlich nicht erreicht. Im August 2002 stand die Elbe in Dresden zwei Meter höher bei 9,40 Meter.
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warnte davor, das Hochwasser mit der Jahrhundertflut 2002 gleichzusetzen. "Wir dürfen Sachsen jetzt nicht als Katastrophenland darstellen. Das ist der Situation nicht angemessen", sagte der Regierungschef in Meißen. Durch die große Flut vor vier Jahren waren 21 Menschen ums Leben gekommen, die materiellen Schäden beliefen sich auf sechs Milliarden Euro. Milbradt: "Ich hoffe, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen."
Nach Einschätzung auch des Landesumweltamtes Brandenburg ist an der Elbe mit einem lange anhaltenden Hochwasser zu rechnen. "Uns macht weniger die Höhe des Wassers Sorgen als vielmehr die lange Dauer des Hochwassers", sagte Präsident Matthias Freude. Auf mögliche Sickerstellen im Deich müsse besonders aufgepasst werden. In der Prignitz seien an der Elbe noch etwa 25 Kilometer Deich nicht saniert. In Mühlberg (Elbe-Elster) wurde gestern Abend die Alarmstufe vier ausgerufen und die Bundeswehr zum Schutz der Dämme angefordert.
In Tschechien wurde gestern für einige Regionen der Notstand ausgerufen. Über die Ufer tretende Wassermassen kosteten dort bislang sieben Menschen das Leben. Auch in Südpolen, Österreich und Ungarn verschlimmerte sich die Situation in den Flutgebieten. (dpa/uf)