Am Ende gab es stehenden Applaus. Nach vier Jahren im wichtigsten Amt des deutschen Protestantismus sprach der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, gestern ein letztes Mal vor der Synode der EKD. Wegen der Krankheit seiner Frau Anne hatte er im Sommer seinen Rücktritt angekündigt.

Seiner Kirche gab Schneider noch einmal klare Worte mit: etwa zur Kritik von Friedensgruppen an deutschen Waffenlieferungen an die Kurden. "Das Evangelium ermutigt uns zwar, im Blick auf uns selbst lieber Gewalt zu erleiden, als anderen Gewalt zuzufügen", so Schneider, "aber das Evangelium ruft uns nicht dazu auf, tatenlos zuzusehen, wie andere Menschen gequält, geköpft, vergewaltigt und versklavt werden." Unklarer äußerte sich der rheinische Theologe zum Thema Suizidbeihilfe. "In Respekt und Demut vor der Lebensmacht Gottes lehnen wir als Kirche Selbsttötung und Beihilfe zur Selbsttötung grundsätzlich ab", sagte Schneider. Nötig sei vielmehr ein Rechtsanspruch auf Palliativmedizin. "Aber auch mit diesem grundsätzlichen ethischen Nein bleibt die konkrete Herausforderung zur Achtung und Begleitung von Menschen, die hier anders denken und entscheiden", so Schneider. Er selbst könne sich vorstellen, "Menschen liebevoll zu begleiten, auch wenn sie einen gegen meine eigene theologische Überzeugung gewählten Weg des Sterbens gehen."

Zudem beklagte Schneider die deutsche Flüchtlingspolitik: Die Situation in vielen Aufnahmeeinrichtungen biete "Anlass zur Scham". "Die Angst, dass ein ungebremster Zuzug von Flüchtlingen den eigenen Wohlstand gefährdet, bricht sich in Ablehnung, Abwehr und Gewalt gegen Flüchtlinge und Migranten Bahn", sagte Schneider. Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) in einem Grußwort davor gewarnt, die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung zu überfordern. "Der Grundkonsens in der Flüchtlings- und Asylfrage ist ein hoher Wert in der Gesellschaft."

Am Dienstag wollen die Kirchenparlamentarier einen Nachfolger von Schneider wählen. Zu den Favoriten zählen der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der sächsische Landesbischof Jochen Bohl. Zu denen, die dann ihre Stimme abgegeben werden, zählt auch der einzige Lausitzer unter den Delegierten, Dirk Nasdala aus Hoyerswerda. "Ich wünsche mir sehr, dass Bischof Bedford-Strohm gewählt wird. Er ist für mich ganz persönlich ein Vorbild, weil er dafür eintritt, dass sich Menschen aktiv in Politik und Gesellschaft einbringen", begründet Nasdala.