Mit deutlicher Kritik am wachsenden Rechtspopulismus und der Alternative für Deutschland (AfD) hat am Sonntag die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt Magdeburg begonnen. "Wir müssen klare Kante zeigen gegenüber allen Versuchen, völkisches Gedankengut und rechtsextremistische Kampfrhetorik in unserem Land wieder salonfähig zu machen", sagte der Ratsvorsitzende der EKD, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, in seinem jährlichen Bericht.

"Es geht nicht um Diskussionsverbote - um Hetzverbote geht es schon: Wer unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit gegen andere hetzt, der muss gestoppt werden." Menschen, die vorgeblich "Political Correctness" kritisierten, die aber in Wirklichkeit nur "freie Bahn für die Verbreitung von Menschenfeindlichkeit möchten", müsste entgegengetreten werden, sagte Bedford-Strohm.

Zu den wichtigsten Themen der noch bis zum Mittwoch dauern den Sitzung zählt das in der vergangenen Woche eröffnete Reformationsjubiläum. "Wir werden ein Reformationsjubiläum feiern, in dem die öffentlichen und politischen Konsequenzen der Freiheit eines Christenmenschen klar hörbar sein werden", kündigte Bedford-Strohm an. So werde man deutlich machen, dass man sich nicht damit abfinde, dass seit Anfang des Jahres 4200 Menschen bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, im Mittelmeer ertranken.

Zudem wolle man sich dafür einsetzen, dass das Thema soziale Gerechtigkeit wieder mehr ins Zentrum der gesellschaftlichen Debatte gerückt werde. "Es kann nicht sein, dass in einem Land mit einem privaten Geldvermögen von 5,4 Billionen Euro nicht das Geld zur Verfügung steht, um diejenigen, die bisher noch kaum am gesellschaftlichen Wohlstand teilhaben, zu solcher Teilhabe zu berechtigen."

Vor Journalisten nahm Bedford-Strohm auch Stellung zu der im Internet heiß diskutierten Frage, weshalb die Vertreter des Rates der EKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz bei ihrem Besuch in der Jerusalemer Al-Aksa Moschee ihr Amtskreuz abgenommen hatten. Der Ratsvorsitzende der EKD verwies darauf, dass sowohl die Vertreter der Moschee als auch die jüdischen Gesprächspartner um diese Geste gebeten hätten. "Religionsführer haben die Verantwortung, friedensstiftend zu wirken", sagte Bedford-Strohm, der im Übrigen auch während der Tagung des Kirchenparlaments kein Kreuz trug.

Im weiteren Verlauf der Woche will sich die EKD-Synode in einem Beschluss von der von einigen konservativen Gruppen etwa in der sächsischen Landeskirche noch immer praktizierten Mission unter Juden distanzieren. Damit bezieht sich die Synode auf Ergebnisse des christlich-jüdischen Dialogs nach dem Zweiten Weltkrieg, wonach Juden einen eigenen Weg zu Gott gefunden hätten. Noch auf der Tagung der Synode vor einem Jahr in Bremen hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, kritisiert, dass sich die EKD zwar von den antisemitischen Äußerungen Luthers, nicht aber von der Judenmission distanziere. "Christen sind nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen", heißt es nun in einem Antrag, der auf der Tagung des Kirchenparlaments beschlossen werden soll. "Ein christliches Glaubenszeugnis, das darauf zielt, Juden zum Glauben an Jesus als Christus zu bekehren, widerspricht dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels."

Zum Thema:
Die EKD-Synode ist das Parlament und damit eines von drei Leitungsgremien der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) - neben dem Rat und der Kirchenkonferenz. Sie hat 120 Mitglieder, die die 20 Landeskirchen mit rund 22,3 Millionen Gläubigen vertreten.