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| 15:27 Uhr

Eiszeitlandschaft wird von der Unesco geadelt

Vom Aussichtsturm im Geopark hat man eine weite Sicht auf die anthropogene Seenplatte „Afrika“.
Vom Aussichtsturm im Geopark hat man eine weite Sicht auf die anthropogene Seenplatte „Afrika“. FOTO: Sebastian Kahnert (dpa-Zentralbild)
Döbern/Leknica. Die Eiszeitlandschaft Muskauer Faltenbogen im Dreiländereck zwischen Brandenburg, Sachsen und Polen wird zum „Unesco Global Geopark“. Der Titel soll Besucher aus aller Welt in die Grenzregion locken. Miriam Schönbach

Am Fuß des Aussichtspunktes an der ehemaligen Grube Babina im polnischen Leknica liegt Afrika. Der Umriss des 190 Meter langen und 27 Meter tiefen Gewässers ähnelt tatsächlich der des Kontinents. Afrika ist einer von Hunderten Restseen, die zum Geopark Muskauer Faltenbogen gehören - einer sogenannten Stauchendmoräne, die wie ein großes Hufeisen in der sandigen Landschaft im Länderdreieck Brandenburg, Sachsen und Polen liegt. Heute wird dem Muskauer Faltenbogen der Titel "Unesco Global Geopark" offiziell verliehen.

Der Faltenbogen entstand in der Elstereiszeit vor rund 450 000 Jahren als Stauchendmoräne: Damals lag Mitteleuropa zu großen Teilen unter einer mächtigen Eisdecke. Aus dieser Eismasse brach ein Gletscher von 20 Kilometern Länge sowie gut 400 Meter Dicke hervor, stauchte den Untergrund und türmte die Erdmassen vor sich auf - eine Stauchendmoräne, der Muskauer Faltenbogen, entstand.

Durch die Stauchung gelangten viele tiefliegende Gesteine und Minerale an die Oberfläche, etwa Braunkohle, Glassande und hochwertige Tone.

Manfred Kupetz hat die Eiszeitlandschaft auf deutscher Seite Mitte der 1980er-Jahre zum ersten Mal besucht. Der Geologe und Referatsleiter im brandenburgischen Landesumweltamt sollte das Gebiet für die Erweiterung des Braunkohle-Tagebaus erforschen. Das Resultat: ungeeignet. Der Abbau wäre zu mühsam gewesen.

Auf polnischer Seite allerdings wurde bis in die 1970er-Jahre Kohle gefördert. Heute kümmert sich der Staat um das Gebiet. Grzegorz Rygiel ist als Förster beim polnischen Staatsforst für die Entwicklung des geotouristischen Pfads zuständig. Stolz erzählt er, dass sein Revier 2009 als erster und bisher einziger Geopark Polens zertifiziert wurde. "Im vergangenen Jahr konnten wir 20 000 Besucher auf unserem fünf Kilometer langen Lehrpfad begrüßen", sagt er.

Ähnliche Bio- und Geotope finden sich auch auf deutscher Seite, wie im Eiszeitdorf Krauschwitz. "Bislang kümmern sich bei uns die Kommunen mit Unterstützung der Bundesländer um das Geopark-Projekt", erklärt Nancy Sauer, die das vor drei Jahren eröffnete Geopark-Büro in Döbern (Spree-Neiße) leitet.

Die Einstufung als "Nationaler Geopark" erhielt der Muskauer Faltenborgen schon 2006. Im November vergangenen Jahres entschied die UN-Organisation in Paris, Unesco Global Geoparks zu schaffen. Mit der Vergabe an den Muskauer Faltenbogen erhält die Region neben dem Fürst-Pückler-Park Bad Muskau als Weltkulturerbe einen zweiten Unesco-Titel.

Für Lutz Möller, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Unesco-Kommission, steht die Eislandschaft im Osten Deutschlands für eine geologische Landschaft von internationaler Bedeutung. "Der Muskauer Faltenbogen ist einer der wenigen grenzüberschreitenden Geoparks und dient damit ganz konkret der internationalen Zusammenarbeit und Völkerverständigung, den wichtigsten unserer Ziele", sagt er. Weltweit sind 120 Geoparks in 33 Ländern aufgelistet.