Nach dem Angriff auf die britische Botschaft im Iran bahnt sich zwischen London und Teheran eine diplomatische Eiszeit an. Einen Tag, nachdem iranische Demonstranten die britische Vertretung in Teheran gestürmt hatten, verwies London am Mittwoch alle iranischen Diplomaten des Landes. Den 18 Botschaftsmitarbeitern wurden 48 Stunden zur Ausreise gewährt.

Botschafter einbestellt

Aus Sicherheitsgründen zog Großbritannien seinerseits das gesamte Botschaftspersonal aus Teheran ab. London hatte 24 Botschaftsmitarbeiter in Teheran.

In Berlin gab unterdessen das Auswärtige Amt bekannt, dass der deutsche Botschafter aus Teheran zu Konsultationen nach Deutschland zurückgerufen werde. Zuvor hatte das Ministerium erklärt, dass der Schutz der deutschen Botschaft in Teheran erhöht werde. Zudem wurde am Mittwoch der iranische Botschafter in Deutschland ins Auswärtige Amt einbestellt. Von den Protesten war auch die deutsche Schule in Teheran betroffen.

Auch Norwegen schloss nach dem Angriff auf die britische Botschaft seine Vertretung im Iran. Das diplomatische Personal sei aber noch nicht aus Teheran abgezogen worden, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums, Hilde Steinfeld, am Mittwoch.

Iranische Demonstranten hatten am Dienstag die britische Botschaft nach einer offenbar von der Regierung gebilligten Protestaktion gegen westliche Sanktionen gestürmt. Die britische Flagge wurde heruntergerissen, ein Fahrzeug der Botschaft in Brand gesetzt und das Gebäude mit Brandsätzen angegriffen. Die Angreifer hissten eine Flagge mit dem Namen des schiitischen Heiligen Iman Hussein und zerschlugen ein Bild der britischen Königin Elizabeth II.

Die Szenen erinnerten an die Erstürmung der US-Botschaft in Teheran 1979. Die iranische Regierung verurteilte zwar das „inakzeptable Verhalten“ der Demonstranten, Parlamentspräsident Ali Laridschani zeigte aber Verständnis: Der Zorn der Studenten sei Folge „von mehreren Jahrzehnten Dominierungsversuchen Großbritanniens“, sagte er. Die Verurteilung des Angriffs durch den Weltsicherheitsrat bezeichnete Laridschani in einer Parlamentssitzung als „überstürzten Schritt“. Der Parlamentspräsident verteidigte einen Parlamentsbeschluss vom Sonntag, die Beziehungen mit London herunterzufahren.

Ahmadinedschad schweigt

Präsident Mahmud Ahmadinedschad äußerte sich bislang nicht, während einige seiner Repräsentanten diese Entscheidung öffentlich kritisiert haben. „Wir werden als Antwort auf diese beschämende und schreckliche Aktion einige entschiedene Maßnahmen in Erwägung ziehen“, kündigte der britische Premierminister David Cameron vor dem Unterhaus an.

Zuletzt hatte Großbritannien 1989 die iranischen Diplomaten ausgewiesen, nachdem in einer Fatwa zum Mord an dem britischen Autor Salman Rushdie aufgerufen worden war. Außenminister William Hague sagte, weitere Schritte werde er am heutigen Donnerstag bei einem Treffen der EU-Außenminister mit seinem Amtskollegen erörtern.

Frankreichs Haushaltsministerin Valérie Pécresse brachte ein Embargo gegen Irans Ölexporte und eine Sperrung der Konten der iranischen Zentralbank seitens der EU ins Spiel.