Steinmeier warf ihr "übles Spiel" im Zusammenhang mit der Unionsblockade gegen die Jobcenter-Reform vor. Entgegen allen koalitionären Beteuerungen ist der Wahlkampf damit schon jetzt voll entbrannt. Dass die beiden SPD-Spitzen gestern in getrennten Interviews Tacheles redeten, war angeblich ein zeitlicher Zufall. Den aufgestauten Ärger bei den Genossen gaben sie jedoch trefflich wieder. Bereits am Montag sprach Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) in vertraulicher Runde unter Bezug auf die Jobcenter von einem "kollektiven Nervenzusammenbruch" bei der Unionsfraktion. Müntefering und Steinmeier nahmen diesen Ball gestern auf, um weitere Spitzen gegen Merkel zu setzen. Wahlstrategisch betrachtet kann der SPD nichts Besseres passieren. Der inhaltliche Riss bei wichtigen Sachfragen quer durch die Union und die Führungsschwäche Merkels sind der Stoff, aus dem Steinmeier & Co ihre Hoffnung auf ein gutes Ergebnis bei der Bundestagswahl destillieren. "Es gibt keine Wählerschaft, die parteiinternen Streit mehr hasst, als die der Union", erklärte der Mainzer Parteienforscher Jürgen Falter gegenüber der RUNDSCHAU. Eine Attacke gegen die politische Farblosigkeit Merkels biete aus Sicht der SPD auch den Vorteil, das Gefühl vieler Granden der CDU anzusprechen. "Dort herrscht ebenfalls Unzufriedenheit darüber, dass Merkel nicht einfach mal auf den Tisch haut. Insofern greift die SPD das Unbehagen in der Union auf." Die Merkel-Truppe ist von der Rolle, und die SPD versteht sich als Hort koalitionärer Stabilität. "Alles was der Union schadet, kann der SPD potenziell nützen", analysiert Falter. Die CDU verzichtete gestern übrigens auf größere Gegenangriffe. Generalsekretär Ronald Pofalla sagte lediglich, die SPD habe "den Schalter schon komplett auf Wahlkampf umgelegt".