Aydan Özoguz ist nicht Ministerin, sondern nur Staatsministerin, und das ist ein gewaltiger Unterschied. Nicht nur, dass sie Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt unterstellt ist, sie verfügt dort auch nur über rund 30 Mitarbeiter. Das ist in einem richtigen Ministerium gerade mal ein Referat.

Die Zuständigkeit für das Ausländer-Thema ist derzeit sehr zersplittert. Die meisten Aufgaben werden im Innenministerium erledigt, wo es zwei komplette Abteilungen mit 13 Referaten gibt, eine für "Gesellschaftlichen Zusammenhang und Integration", eine weitere für "Migration und Flüchtlinge". Dem Innenministerium untersteht zudem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit mehreren Tausend Mitarbeitern, das über die Asylanträge entscheidet.

Das Arbeitsministerium verfügt über zwei komplette Referate, die sich mit Themen wie "Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer" und "Grundsatzfragen der Ausländerpolitik" befassen. Dazu kommt eine Projektgruppe "Soziale Sicherheit und Migration".

Weitere Zuständigkeiten liegen im Gesundheits-, Justiz- und Bauministerium. Und im Kanzleramt selbst gibt es neben Özoguz' Gruppe seit vergangenem Jahr sogar noch einen zweiten Arbeitsstab unter Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU), der politische Antworten auf den Flüchtlingsstrom finden soll.

Özoguz verweist auf das Beispiel Umweltpolitik, das erst 1986 ein richtiges Ministerium wurde. Auch da mussten Ministerien Zuständigkeiten an das neue Haus abgeben. Die dritte Ressortchefin war 1994 übrigens Angela Merkel.

Ein eigenes Ministerium hätte auch inhaltliche Konsequenzen. So wie noch jeder Umweltminister "sein" Anliegen massiv gegen das Wirtschaftsministerium vertreten hat, würde auch ein Inte grationsminister um sein Thema kämpfen. Und sich im Sinne der Integration wohl oft mit dem Innenminister anlegen, der naturgemäß mehr die Sicherheitsprobleme im Auge hat.

Genau hier beginnen auch die unterschiedlichen Bewertungen der Parteien. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt unterstützt den Vorstoß. "Das Chaos in der Bundesregierung muss endlich ein Ende haben", sagte sie der RUNDSCHAU. "Migrations- und Flüchtlingspolitik muss aus einem Guss vom Bund bis in die Kommunen gestaltet werden." Auch das Ausländerrecht müsse dazu gehören.

Die Linken-Innenpolitikerin Ulla Jelpke begrüßt den Vorschlag ebenfalls, weil so die Zuwanderung "stärker unter sozialem Aspekt" betrachtet würde. "Das hätte etwas Fortschrittliches", so Jelpke.

CDU-Innenpolitiker Stephan Meyer sieht es genau andersherum. Das Thema sei bei Innenminister Thomas de Maizière (CDU) "gut aufgehoben", sagte er auf Anfrage. "Es besteht kein Bedarf, weitere Bundesressorts zu schaffen, damit noch mehr Koordinierungsbedarf entsteht." Die Herausforderungen der Flüchtlingskrise seien schon so "wahrlich groß genug".

Özoguz ist offenbar selbst klar, dass es so einfach mit der Umsetzung nicht werden wird. Die Idee sei für einen nächsten Wahlkampf oder für eine nächste Koalitionsverhandlung gedacht, betonte sie.