Die Nacht bricht über den düsteren Tannenwald herein. Es beginnt zu schneien, wird immer kälter. Nur Bäume rings herum. Kein Anhaltspunkt verrät dem Verirrten, wo er steckengeblieben sein könnte. Es sei kein Einzelfall, dass ungeübte Skiläufer im vogtländischen Wintersportgebiet verloren gehen, sagen die Kameraden von der Bergwacht Klingenthal auf dem Aschberg.Rettung mit MotorschlittenDass die Urlauber wohlbehalten wieder auftauchen, gehört auch zum Job der Frauen und Männer der Rettungsbereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes. Mit imposanten Motorschlitten brausen die Bergwächter lautstark durch die verschneite Idylle. Nur eine Spur Benzingeruch hinterlässt der Rettungstrupp bei den staunenden Urlaubern. "Zum Glück habe ich die Bergwacht noch nie rufen müssen", sagt Wintersportler Frank Haase aus Potsdam. Seit Jahrzehnten stehe er auf den Skiern, doch passiert sei noch nie etwas. Erst vor Kurzem sei er die Kammloipe auf dem Aschberg zur Hälfte hinabgelaufen. Er habe die Bretter abgeschnallt, weil es zu steil bergabwärts ging. "Man muss doch vernünftig bleiben", sagt der 46-Jährige.So denken leider nicht alle, weiß der Klingenthaler Vize-Bergwachtchef Sven Lorenz, der seit 26 Jahren im Team ist. Urlauber würden häufig ihre Kräfte, die Zeit und auch ihren Orientierungssinn überschätzen. Er erlebe immer wieder, dass bei einsetzender Dunkelheit so manch auswärtiger Skifahrer hilflos im Wald umher-irrt. Auch erschöpfte Personen sammle das Team ein, ergänzt Bergwachtkamerad Sven Ebers, der ebenfalls auf mehr als ein Vierteljahrhundert Dienst in der Bergwacht zurückblicken kann.Mitte der 1990er-Jahre habe die Bereitschaft 18 Stunden lang nach einem Jungen gesucht, der nach einem Streit mit seinen Kumpels aus der Jugendherberge ausgebüxt war. Zu schaffen machten dem Rettungsteam auch diejenigen, die mit ihren Brettern neben einer Loipe eine eigene Spur eröffnen und sich dann verlaufen, erzählt Ebers.Überall im Gelände sind an Skihütten sowie an Bäumen, meist an Loipenkreuzungen, gelbe Schilder mit einer Nummer angebracht. Die sollte sich jeder merken und mit offenen Augen durch die Gegend fahren, rät Ebers. Im Notfall müsste nur noch diese Nummer beim Notruf angegeben werden, und die Bergwacht könne sich sofort zurechtfinden.Die Klingenthaler Bergwacht sichert auf dem Aschberg ein Streckennetz von etwa 50 Kilometern ab. In Hochzeiten wie den Winterferien seien täglich um die 1000 Besucher im Wintersportgebiet am Aschberg unterwegs. Die Berghütte der Bereitschaft ist in der Hauptsaison täglich und an den Wochenenden zwischen 9.30 bis 16.30 Uhr mit zwei bis vier Frauen und Männern besetzt.Bereitschaft im EhrenamtDer Job ist ehrenamtlich. Die nach eigenen Angaben mehr als 20 Mitarbeiter opfern demnach ihren Urlaub und freie Stunden für die schnelle Hilfe vor Ort. Vergleichbar sei ihre Arbeit mit der von der Freiwilligen Feuerwehr, findet Lorenz. Wenn die Hütte am Berg nicht besetzt ist, seien alle Mitglieder rund um die Uhr per Piepser oder Handy in Alarmbereitschaft.Die Hauptsaison dauert den Angaben nach von Mitte Dezember bis Mitte März. Insgesamt kämen in dieser Zeit durchschnittlich zwischen 30 bis 40 Einsätze zustande. Allerdings müsse da schon Schnee liegen.