Kalt ist es in der Fußgängerzone in Hannover. Philipp Rösler trägt einen grauen Wintermantel, dazu einen gelben FDP-Schal. Wärmer als der dünne Fleece-Stoff um den Hals sind in diesem Moment die Worte des Patriarchen. "Er ist ein guter Mann", sagt Hans-Dietrich Genscher über Rösler, der neben ihm steht und sich freut. Für Rösler problematisch ist nur, dass Genscher auch zu Röslers Gegnern so nett ist. Anfang des Jahres bei Dreikönig zeigte er sich demonstrativ Seite an Seite mit Rainer Brüderle auf dem Flur der Stuttgarter Oper. Und mit Christian Lindner, dem dritten entscheidenden Akteur in der FDP, schreibt Genscher gerade ein Buch.

Fraktionschef Brüderle ist im Morgengrauen ins ARD-Hauptstadtstudio an der Spree gefahren. Der Polit-Profi aus der Pfalz sagt in die Kameras, dass der Bundesparteitag nicht erst im Mai, sondern schon Ende Februar oder Anfang März stattfinden muss. Davon wollte Rösler bisher nichts wissen. Nun hat der Fraktionsvorsitzende sich öffentlich festgelegt. Das macht kurz darauf auch der einflussreiche NRW-Landeschef Christian Lindner in Düsseldorf. Er will den Parteitag ebenfalls vorziehen. Brüderle und Lindner kommen aus der Deckung - das sei die Kampfansage an Rösler, meint ein wichtiger Liberaler.

Die beiden hätten Rösler signalisiert, dass er bei einem Niedersachsen-Erfolg nicht auf die Idee kommen sollte, wieder durchzustarten. Nicht alle in der FDP finden den Zeitpunkt, zwei Tage vor der Wahl, glücklich. Als Brüderle im "Morgenmagazin" weiter gefragt wird, ob er selbst Parteichef werden will, antwortet der 67-Jährige: "Ich stehe hinter Philipp Rösler, und über ungelegte Eier diskutiere ich nicht."