Die SPD hatte einen dringlichen Antrag zur Ablehnung des Krieges schon am Mittwochnachmittag vorlegt. Tenor: Tiefes Bedauern über das Scheitern der diplomatischen Bemühungen, gemeinsame Willensbekundung gegen den Krieg und Mitgefühl mit allen Betroffenen. Die PDS wollte zustimmen, doch die CDU lehnte eine Aussprache darüber ab.
Darauf forderte die PDS eine Unterbrechung der Tagesordnung für eine Landtagssondersitzung. Auch dies lehnten die Christdemokraten ab. Argument von Fraktionschef Fritz Hähle: Die "bedrückende" Situation komme in der Regierungserklärung von Ministerpräsident Georg Milbradt, die sich eigentlich um den Aufbau Ost drehen sollte, deutlich zur Sprache und könne dann von allen diskutiert werden.
Um Fünf vor Zwölf versammelten sich die Oppositionspolitiker vor dem Landtagsgebäude und folgten damit dem Aufruf des Dresdner Friedensbündnisses, für fünf Minuten ins Freie zu treten. "Es kann nicht sein, dass man einfach zur Tagesordnung übergeht", schimpfte SPD-Fraktionschef Thomas Jurk über die "einmalige Sturheit" der CDU. "Wir können doch nicht an einem Tag, an dem ein grausamer Krieg beginnt, über eine Diätenerhöhung diskutieren." Endgültig peinlich, so Jurk, sei die Weiterführung der Sitzung ohne die Opposition.
"Der Landtag", so betonte PDS-Fraktionschef Peter Porsch, "ist der Hausherr und wir sind verpflichtet, uns zu dem Thema zu äußern." Die unerträgliche Haltung der CDU sei ein offener Verfassungsbruch. Auch das Kompromissangebot von Parlamentspräsident Erich Iltgen (CDU), nach der regulären Tagesordnung eine Sondersitzung abzuhalten, ließ Porsch nicht gelten. "Das Parlament muss als Erster seine Meinung sagen und nicht auf eine Regierungserklärung antworten." Am Morgen hatte die PDS ein Transparent mit der Losung "Stoppt den Krieg" am Landtag angebracht.
Des Ärgers ungeachtet hielt Milbradt seine Rede nur den Parteifreunden, aber vor leeren Oppositionsbänken. Er nannte den Kriegsbeginn bedauerlich, suchte die Verantwortung aber in Bagdad. Saddam Hussein habe das Ultimatum verstreichen lassen und sich der Verpflichtung zur Zusammenarbeit entzogen. Es sei ihm gelungen, einen Keil in die westliche Welt zu treiben. Deutschland habe dabei außenpolitischen Schaden genommen. Die Grundlage für die Sanktionen gegen den Irak müssten schnellstmöglich entfallen, so Milbradt. Sein Amtsvorgänger Kurt Biedenkopf warnte zudem vor Ressentiments gegen die USA.