Mehr als hunderttausend Anhänger der Oppositionsparteien feierten gestern in der Hauptstadt Kathmandu das Einlenken des Monarchen als entscheidenden Schritt hin zur Demokratie. Dagegen lehnten die maoistischen Rebellen das Zugeständnis als Manöver des Königs zu seiner Machtsicherung ab. Die USA und Indien begrüßten den Vorstoß des Monarchen.
Das aus sieben Parteien be-stehende Oppositionsbündnis schlug dem König den Vorsitzenden der Nepalesischen Kongress-Partei (NCP), Girija Prasad Koirala, als künftigen Ministerpräsidenten vor. Koirala war zwischen 1991 und 2001 bereits dreimal Regierungschef. Die Kongress-Partei ist die größte Oppositionspartei in dem Himalaja-Staat. Das 2002 aufgelöste Parlament, in dem die Partei über 113 von 205 Sitzen verfügte, soll nach der Ankündigung des Königs am Freitag wieder zusammentreten.

Waffenstillstand angekündigt
Laut dem Generalsekretär der zum Oppositionsbündnis gehörenden Kommunistischen Partei, Madhav Kumar Nepal, sollen die Rebellen nach der Bildung einer Interimsregierung mit einem Waffenstillstandsangebot in den politischen Prozess eingebunden werden. Die Regierung werde einen Waffenstillstand erklären und erwarte dasselbe von den Rebellen. Die Maoisten müssten eine "positive und konstruktive Rolle" beim Aufbau der Demokratie und eines langlebigen Friedens spielen. Es würden intensive Verhandlungen mit ihnen geführt.
Rebellenführer Pushpa Kamal Dahal, genannt Prachanda ("der Wilde"), rief die Bevölkerung auf, die Protestaktionen gegen Gyanendra fortzusetzen. "Das ist eine neue List, um das nepalesische Volk auseinander zu dividieren und seine autokratische Mo-narchie zu retten", erklärte er. Indem das oppositionelle Parteienbündnis darauf eingehe, verrate es die im vergangenen November mit den Rebellen geschlossene Vereinbarung. Diese sah unter anderem die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung vor, die den Einfluss des Königs zurückdrängen sollte. Prachanda kündigte an, dass seine Guerilla Kathmandu und andere Städte blockieren werde.
Die Sieben-Parteien-Allianz wandelte die für gestern angekündigte Großdemonstration in Kathmandu nach dem Einlenken des Königs in eine friedliche Siegesfeier um. Die Menschen strömtem unter anderem über den Hauptstadtring, viele schwenkten Fahnen oder spielten Tamburin. In der Nähe des Königspalasts verunstalteten Demonstranten Gyanendra-Porträts und rissen Plakattafeln mit seinem Konterfei um.
Das Leben in Kathmandu schien allmählich zur Normalität zurückzukehren. Erstmals seit fast einer Woche herrschte keine Ausgangssperre, Geschäfte hatten geöffnet, und auch das Mobilfunknetz funktionierte wieder. Dutzende von politischen Gefangenen kamen auf freien Fuß.

14 Todesopfer
Gyanendra hatte am Montag die Wiedereinsetzung des aufgelösten Parlaments angekündigt und damit eine der wichtigsten Forderungen der Opposition erfüllt. Seit dem 6. April waren bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und pro-demokratischen Demonstranten landesweit mindestens 14 Menschen getötet und hunderte verletzt worden. Der König hatte im Februar 2005 den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung mit der Begründung entmachtet, sie sei unfähig, dem seit 1996 andauernden Guerillakampf ein Ende zu setzen. (AFP/ksi)