"Wir haben uns für eine modische Kollektion in blau und weiß entschieden", sagt Rektor Thomas Höchst, dessen Regionale Schule in Contwig (Rheinland-Pfalz) künftig 15 verschiedene Oberteile mit Schullogo anbietet. In Absprache mit den Eltern soll die Kleidung für Fünft- und Sechstklässler verpflichtend sein, für alle anderen freiwillig. "Wir wollen das von unten her wachsen lassen."
Damit folgt die Gesamtschule den Erfahrungen von Brose. Auch sie begann, als sie im Jahr 2000 erstmals in Deutschland Schulkleidung einführte, mit einer fünften Klasse. Mittlerweile haben sich alle Schüler der Haupt- und Realschule in Hamburg-Sinstorf eingedeckt. Rund 90 Prozent tragen die Oberteile täglich. "Schulkleidung muss auch Spaß machen", sagt die Lehrerin und erzählt, dass derzeit rund 30 Oberteile in blau und weiß zur Auswahl stehen.

Neues Wir-Gefühl
Seit der Einführung hat sich Brose zufolge vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl geändert. Nun gebe es ein Wir-Gefühl. Schulkleidung sei zudem ein Mittel, um Chancengerechtigkeit zu gewährleisten: "Sie sehen nicht mehr, wer aus einer Arzt- und wer aus einer Hartz-IV-Familie kommt." Auch "pubertäres Gezicke" höre auf.
Ähnlich gute Erfahrungen hat die Haupt- und Realschule Friesenheim (Baden-Württemberg) gemacht, die seit Juli 2005 Oberteile in fünf verschiedenen Farben anbietet. "Das Klima hat sich deutlich geändert", sagt Schulleiter Günter Behre. "Den Laufsteg Schule gibt es nicht mehr." Die Jugendlichen identifizierten sich nun verstärkt mit ihrer Schule. "Sie sehen und fühlen, dass sie zusammengehören." Besonders die Fünft- und Sechstklässler seien begeistert.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht in der Entwicklung eine Gegenbewegung zur Ellenbogenmentalität. "Es scheint ein Bedürfnis nach Gemeinschaftserleben zu bestehen. Junge Leute wollen sich offenbar mit ihrer Schule identifizieren", sagt die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Hohen Erwartungen gibt sie eine Absage. "Das ist nicht die Lösung aller Probleme." Schulkleidung müsse zudem immer freiwillig sein.
Unter Bundes- und Landespolitikern wurde das Thema Schulkleidung jüngst im Zusammenhang mit der Integration von Ausländern debattiert. Vor Kurzem hatten zwei Bonner Schülerinnen, die in Burkas verschleiert zum Unterricht gekommen waren, die Debatte neu entfacht. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) nannte einheitliche Kleidung eine "einfache Lösung zur Konfliktvermeidung". Damit könnten nicht nur die Burkas, sondern auch Probleme, die sich durch soziale Unterschiede ergeben, beseitigt werden. Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach sich für die Einführung aus.

Abneigung gegen Einheitskleidung
Ein Gesetz ist indes kaum zu erwarten. Denn neben rechtlichen Bedenken - die Individualität der Kleidung ist durch das Grundgesetz geschützt - hat das Bild uniformierter Jugendlicher im Dritten Reich eine begründete Abneigung gegen Einheitskleidung erzeugt. Studienrätin Brose ist dennoch davon überzeugt, dass sich Schulkleidung durchsetzen wird. "Der Gedanke, gemeinsam etwas zu schaffen, wächst."

Zum Thema Einheitlich in Rietschen
 An der Freien Schule Rietschen (Niederschlesischer Oberlausitzkreis), die seit August 2005 besteht, gibt es seit Februar Schulkleidung. Gemeinsam entschieden sich Schüler, Lehrer und Eltern für Poloshirts, Kapuzen-Sweatshirts und Anoraks in den Farben Grün, Weiß, Gelb und Blau. Damit wollen sich die Mädchen und Jungen nach außen einheitlich präsentieren und zum anderen keinen Neid untereinander aufkommen lassen.