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| 12:00 Uhr

Eingelegte Gurke - Spagat zwischen Tradition und Innovation

Mitarbeiterin Manuela Handschik vom der Firma Rabe Spreewälder Konserven GmbH & Co. KG prüft in Boblitz (Brandenburg) ein befülltes Glas mit Einlegegurken.
Mitarbeiterin Manuela Handschik vom der Firma Rabe Spreewälder Konserven GmbH & Co. KG prüft in Boblitz (Brandenburg) ein befülltes Glas mit Einlegegurken. FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Lübbenau. Pfeffergurken, Gewürzgurken, Senfgurken: Der Klassiker des Spreewalds kommt jetzt wieder vom Feld in die Gläser. Der Preisdruck aus dem Ausland macht einigen Betrieben zu schaffen. Anna Ringle, dpa

Die Produktionsbänder rattern, die Waschanlagen laufen. Über Trichter fällt der ganze Stolz des Spreewaldes in Gläser mit Gewürzen - die Gurke. Die Produktion in den Einlege-Betrieben im Spreewald ist im Gange, auf den Feldern wird geerntet. Die von der EU geschützte Marke Spreewald-Gurke ist ein Zugpferd in der Region, zugleich machen einigen Betrieben unter anderem Wettbewerbsdruck aus dem Ausland und gestiegene Produktionskosten zu schaffen.

Der Arbeitstag für die Mitarbeiter in der Produktionshalle der Rabe Spreewälder Konserven GmbH & Co KG in Lübbenau beginnt frühmorgens um 6.30 Uhr. Bis zu 50 Tonnen kann der Betrieb an einem Tag verarbeiten, wie Vertriebsleiterin Heidemarie Belaschk sagt. So kommen in einer Saison etwa 2000 Tonnen zusammen. Es ist laut in der Halle, die leeren Gurkengläser stoßen auf den Laufbändern aneinander. Überall liegt der Duft von Dill in der Luft. Er ist ein wichtiger Bestandteil der Zutaten, die für den Geschmack der eingelegten Gurke sorgen.

In den vergangenen beiden Jahren hat der Betrieb zusammengenommen etwa zehn Prozent weniger Gurkenprodukte verkauft. So werde Sauergemüse in Gläsern nicht mehr so häufig verzehrt wie noch vor Jahrzehnten, erläutert Belaschk. Und es gebe einen hohen Wettbewerbsdruck im Handel wegen Konkurrenz aus dem Ausland. „Billige Importe werden uns immer vorgehalten“, sagt Belaschk.

Wegen des sinkenden Absatzes wird bei der Firma nach Auswegen gesucht. Sie produziert seit einigen Jahren verstärkt Premiumprodukte. Diese eingelegten Gurken sind ohne Aromazusätze, und es wird Solethermalwasser aus dem Kurort Burg verwendet. Auch mit Feinkostprodukten will die Firma punkten - zum Beispiel mit veganen Aufstrichen und Dips, in denen Gurken enthalten sind.

Der Familienbetrieb Willi Markus - Spreewälder Konserven GmbH & Co. KG in Lübbenau setzt dagegen auch wegen der überschaubaren Größe der Firma weiterhin allein auf die klassische eingelegte Gurke und hofft, mit Frische und Qualität zu punkten, wie Geschäftsführerin Andrea Ludwig sagt. In den kommenden Jahren geht die Firma allerdings von einem rückläufigen Absatz aus. Sie verkauft ihre Ware an Händler, die in der Region Marktstände betreiben. Zu schaffen machen der Firma steigende Produktionskosten, wie Ludwig betont.

Aber nicht in allen Einlege-Betrieben in der Region gehen die Verkaufszahlen zurück. Die Obst- und Gemüseverarbeitung Spreewaldkonserve Golßen GmbH hat sogar ein kleines Plus bei eingelegten Gurken erreicht. Verträge mit Handelsketten konnten ausgebaut werden, wie das Unternehmen mitteilt. Das betrifft zum einen Verträge, bei denen die Gurkenprodukte das gesamte Jahr über gelistet sind, als auch Sonderaktionen. In den nächsten Jahren rechnet die Firma mit weiteren Zuwächsen.

Der Betrieb verarbeitet jährlich mehr als 10 000 Tonnen Gurken pro Saison - er ist also eine vergleichsweise große Firma unter den Einlege-Betrieben. Als ein Grund für die positive Entwicklung wird ein Verbrauchertrend hin zu regionalen Produkten genannt.

Seit 1999 ist die Bezeichnung Spreewald-Gurke von der EU geschützt. Das bedeutet, dass nur Gurken aus dieser Region so genannt werden dürfen. In der Region gibt es rund zehn Einlege-Betriebe, wie der Spreewaldverein auflistet. Dort sind die Einlege-Firmen und die Anbaubetriebe organisiert. Die gesamte Erntemenge ging in der Region im Jahr 2016 zurück. Dem Verein zufolge wurden 29 000 Tonnen geerntet, 2015 waren es noch rund 35 000 Tonnen. Der Spreewald ist das zweitgrößte Anbaugebiet für Gurken, die eingelegt werden. Noch größere Flächen gibt es in Bayern.

Bei einem von der EU geförderten Projekt, das bis zum Jahr 2021 angelegt ist, wird die Spreewald-Gurke ganz genau unter die Lupe genommen. Ziel ist eine Qualitätsverbesserung sowohl bei der Rohware als auch in den Einlege-Betrieben, wie es von der Projektkoordination heißt. Derzeit und die gesamte Saison über werden demnach auf Versuchsflächen Bodenproben von Blättern und Blüten genommen. Ein Anlass für das Projekt war, dass Partien von Gewürzgurken in den Gläsern nach einer Weile weich wurden. Das Projekt zielt auch darauf ab, Ertragsverluste zu verringern. An dem Projekt beteiligen sich Anbauer, Einlegebetriebe und Forscher.