Wenn fremde Spaziergänger zufällig am Garten in Borsdorf vorbeikommen, glauben sie oft ihren Augen nicht zu trauen. Denn statt Stachelbeeren, Kohlköpfen und Sommerblumen sehen sie nur Hunde über Hunde, die auf dem Rasen toben, spielen, dösen. Und mittendrin in diesem lebendigen braunen Knäuel kriechen oftmals zwei Männer auf allen Vieren. Gemeinsam sucht man Mauselöcher, suhlt sich im Sand, schnuppert an Unkräutern. "Wir wissen nicht, ob die Hunde mit uns leben oder wir mit den Hunden", beschreibt Dan Ostberg das skurrile Bild. Hier draußen bei Mutter Natur haben sich die Grenzen zwischen Hund und Mensch im Laufe der Jahre verwischt. Die Freiheit tut beiden gut. "Wir könnten nicht mehr den Lärm der Großstadt ertragen und unsere Hunde keine Räume oder gar Zwinger", zählt der Züchter auf.
Dabei sind Tino Hentschel und Dan Ostberg echte Leipziger Großstadtkinder. Und auch in einer Millionen-Metropole hatten sie nach der Wende die schicksalhafte Begegnung, die fortan ihr ganzes Leben beeinflusste. "Wir standen in der überfüllten Budapester
U-Bahn und sahen direkt einem kapitalen Rüden in die Augen", erinnert sich Tino Henschel. "Der Hund schaute zurück. Es war Liebe auf den ersten Blick." Und schon in dieser kurzen tierischen Szene erkannten die deutschen Hundefreunde das Wesen der ungarischen Rasse: menschenbezogen, treu, nervenstark, gutmütig. Nach Leipzig zurückgekehrt, hatten sie nur ein Ziel: Sie wollten so einen Hund. Aber schnell bekam die Euphorie einen Dämpfer, als sie merkten, dass in Deutschland diese Rasse nach dem Motto: "Vom Jäger für Jäger" gezüchtet wird. Doch sie ließen sich nicht entmutigen. Obwohl das Geld knapp war, knüpften sie vor rund zehn Jahren Kontakt zu einem Züchter aus einem kleinen Dorf in Mittelungarn. Sie kauften ihm vor Ort eine Hündin ab. Dort ließen sie Pizzi später auch decken. "Der erste Wurf dauerte 18 Stunden. In sgesamt kamen neun gesunde Welpen auf die Welt", denkt Tino Hentschel freudestrahlend zurück. Der Beginn eines neuen Lebens für die gebürtigen Leipziger. Sie suchten schon länger nach einer anderen beruflichen Existenz und fanden sie nun mit den Hunden. "Wir bilden sie als Therapiehunde für behinderte Kinder aus", erzählt Dan Ostberg. Und weil die Tiere sich nach getaner Arbeit erholen und abreagieren müssen, zogen die Magyar-Vizslas-Freunde vor Jahren einfach zusammen in den Garten, wo sie sowohl im Winter bei Minus 20 Grad als auch im Sommer bei über 30 Grad ganz bescheiden wohnen.
Abgehärtet sind sie inzwischen. Urlaub kennen sie seit zehn Jahren nicht mehr. "Doch wir sind glücklich hier im Garten. Unsere Hunde gaben uns einen neuen Lebenssinn", bringt es Dan Ostberg kurz auf den Punkt.
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