Ein Kohlendioxid (CO 2 )-freies Kraftwerk verspricht das Unternehmen, doch Merkel findet den Wirkungsgrad verbesserungswürdig. Außerdem wäre es besser, meinte sie, das Klimagas nicht nur in die Erde zu pumpen, sondern "etwas chemisch Interessantes" daraus zu machen - dann werde das eine "riesige Zukunftsaufgabe".
Das mit der Zukunftsaufgabe sehen die Energiekonzerne ähnlich. Auch RWE plant eine Pilotanlage, bei EnBW gibt es Vorüberlegungen. Es beginnt ein regelrechter Wettlauf. CO 2 -frei sind die Kraftwerke genau genommen nicht. Das Kohlendioxid wird weiterhin bei der Vergasung der Kohle im Kraftwerk freigesetzt. Nur wird der größte Teil, über 90 Prozent, vor dem Verbrennen abgeschieden und in unterirdische Speicher zur Endlagerung gepumpt. Etwas aus dem CO 2 zu machen, wie die Kanzlerin wünscht, ist derzeit nicht möglich.

Klimaschutz-Hürden
Für die Konzerne ist die Methode vor allem aus einem Grund reizvoll, wie in Berlin bei der Anhörung der Grünen-Fraktion deutlich wurde: Sie erlaubt die weitere großindustrielle Nutzung der Kohle, ohne allzu sehr mit dem Klimaschutz ins Gehege zu kommen. Doch gibt es viele Hürden.
Nicht jeder Untergrund ist für die Lagerung geeignet, wie Frank Schilling vom Potsdamer Geoforschungszentrum erläutert. Er betreibt ein Probelager in Ketzin/Havel und will dort 60 000 Tonnen Kohlendioxid in einen früheren Gasspeicher in 700 Meter Tiefe leiten. Das Kohlendioxid reagiert mit dem Gestein. Wie, das weiß man noch nicht genau. Und wie viel durch Leckagen austritt, auch nicht. Man müsse noch sehr viel forschen, sagt Schilling. Zudem müssen Pipelines zu den Speichern gebaut werden, sofern die Kraftwerke nicht direkt auf ihnen stehen. Damit stellt sich das Problem der "gesellschaftlichen Akzeptanz", wie auch RWE-Sprecher Henning Rentz einräumt. CO 2 , so viel zur Beruhigung, ist nicht giftig und steckt zum Beispiel in Sprudelwasser.
Sequestration, Abtrennung, heißt das Verfahren, die Technik nennt sich CCS, Carbon Capture Sequestration. Die Amerikaner sind bei der Entwicklung führend, weil sie den meisten Untergrund haben, porösen Sandstein, der geeignet ist. Ebenso ausgebeutete Kohleflöze und Erdölfelder. In Deutschland kommt für die Lagerung vor allem die norddeutsche Tiefebene infrage. Teilweise wird schon jetzt Kohlendioxid bei der Erdöl- oder Erdgasgewinnung abgeschieden und zurückgeleitet.
Für den Potsdamer Klimafolgenforscher Ottmar Edenhofer ist CCS eine Schlüsseltechnik, um die nächsten 30 bis 50 Jahre zu überstehen. Angesichts des steigenden Energieverbrauchs und der gleichzeitigen Notwendigkeit, die Kohlendioxidemissionen zu halbieren, um die Erderwärmung noch in Grenzen zu halten, gebe es gar keine Alternative. Damit sich CCS durchsetzen könne, müsse allerdings Kohlendioxid weltweit wesentlich teurer werden als bisher, meint Edenhofer.
Die Ökoverbände laufen schon gegen die Technik Sturm. Auch der Energieexperte der Grünen, Hans-Josef Fell, hält das Co 2 -freie Kraftwerk für einen Um- und Irrweg. Da es frühestens in 15 Jahren zur Verfügung stehe, löse es jetzt keine Probleme.

Jetzt Energiewende einleiten
Jetzt aber müssten die Weichen für eine Energiewende gestellt werden. Erneuerbare Energien seien die einzige Energiequelle, die die Erde auf Dauer aushalte. Darauf müsse man setzen. Kohle sei, auch wegen Landschaftszerstörung, die schmutzigste aller Energiequellen. Die Grünen wollen aber nicht alle Türen zuschlagen. Pilotanlagen seien sinnvoll, sagt ihr umweltpolitischer Sprecher, Reinhard Loske.