Der Wintermärchenzauber startet ins sechste Jahr. Die Ausstellung lockt diesmal mit "wenig bekannten Hintergrundgeschichten" von den Dreharbeiten und "so manchen unterhaltsamen Anekdoten". Neue Figuren wurden angeschafft. König und Königin sitzen in neuer Gestalt auf einem neuen Thron im Ballsaal. Alles wartet diesmal "noch märchenhafter dekoriert auf". Noch mehr Zauber. Noch mehr Kunstschnee.

Was gibt's da noch Neues?

Dabei wussten die Macher von den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten schon vor Jahren nicht mehr, was sie noch Neues aus dem Thema rausholen sollten. Schließlich geht es nur um einen Film von 82 Minuten Länge. Fünf Winterausstellungen am Original-Drehort haben bereits mehr als 700 000 Besucher angezogen und die Kassen des Schlösserbetriebs ordentlich gefüllt. Wenn alle Figuren schon nachgebaut wurden, wenn alle Kleider gezeigt, alle Darsteller zu Gast waren, was bleibt dann noch offen? Wer so fragt, der geht schon falsch an die Sache ran.

Vielleicht wäre die deutsch-tschechische Märchenproduktion "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" nie so ein erfolgreicher Film geworden, wenn nicht Schnee gelegen hätte bei den Dreharbeiten 1973 rund um das alte Jagdschloss. Mit Schnee wurde der Film zum Weihnachtsmärchen. Was zu Weihnachten einmal gut läuft, läuft alle Jahre wieder. So funktioniert das mit Aschenbrödel in Moritzburg seit mehr als 40 Jahren. Alle Jahre wieder wird der Film auf vier Schlossetagen bis auf die Knochen seziert. Selbst die randständigste Info wird von den Hardcore-Fans aus der "3hfa"-Szene aufgesogen. Die ist immerhin groß und treu genug, um den Laden alle Jahre wieder zu füllen.

Die erste Ausstellung 2010 war nur klein, zog aber 150 000 Besucher an. Die zweite schon 200 000. Kinder sind natürlich die Hauptzielgruppe. Kinder kommen mit Eltern, mit Oma und Opa und wollen jedes Jahr wiederkommen. Für Generationen gehört der Film zu Weihnachten. Weihnachten ist nicht Weihnachten, wenn nicht das Aschenbrödel mindestens einmal durch den Schnee reitet.

Von den rund 350 Aschenputtel/Aschenbrödel/Cinderella-Figuren weltweit, zeichnet diese eine aus, dass sie einfach cooler ist. Die tschechische Schriftstellerin Bozena Nemcova schrieb die Vorlage, die tschechische Schauspielerin Libuse Safrankova gab der smarten Aufsteigerin Charme und Kulleraugen. Abgesehen davon, dass hier aus Haselnüssen schöne Kleider springen, kommt der Film ohne faulen Zauber aus. In der Reihe der modernen, aber berührenden Märchenfilme ohne belehrenden Ton und ohne Tugendfabel steht das Aschenbrödel von 1973 allein auf weiter Flur.

Perlende Musik, tolle Kostüme

Um aus dem Aschenbrödel-Film diesen Hit zu machen, musste noch mehr stimmen. Die perlende Musik von Karel Svoboda, der auch die "Biene Maja" für Karel Gott schrieb. Und die Kostüme von Theodor Pistek, der 1985 mit der Arbeit für Milos Formans "Amadeus" einen Oscar einfuhr.

Für das deutsche Publikum ist der Film Kult, für die Tschechen ein Stück Identität. Die Originalkostüme stehen als kulturelles Erbe unter dem Schutz des Ministeriums für Kultur der Tschechischen Republik. Aschenbrödels Gewänder haben einen Reliquienwert, als stammten sie von Libuse, der Stammmutter der böhmischen Könige.

Träume aus Dederon-Brokat

Die Filmkostüme sind auch die Hauptattraktion der Moritzburger Ausstellung. Die wahr gewordenen Träume aus Dederon-Brokat stammen aus dem Fundus der Prager Barrandov-Filmstudios.

Mit dem Geld, das die Ausstellung einspielte, konnte die Schlösserverwaltung 2014 altes Tafelsilber zurückkaufen. Zeitweise war man indes in Sorge, dass die vielen Gäste im Winter die wertvollen barocken Ledertapeten auf Dauer feucht atmen. Aber Aschenbrödel läuft eben.

Zum Thema:
Die Ausstellung "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" läuft bis 26. Februar im Schloss Moritzburg. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag zwischen zehn und 18 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro, ermäßigt vier Euro. An verschiedenen Wochenenden lädt die Schlossküche zu Backofentagen und Abendführungen ein. Das Kino im Schlossturm zeigt den Film. Voranmeldungen dazu telefonisch unter 035207 87318 und unter www.schloss-moritzburg.de ckz1