Es beginnt mit einer Panne. Das kleine Mikrofon, das die Regie ans Revers des Kandidaten geklemmt hat, funktioniert nicht. In den vorderen Reihen ist zwar noch zu hören, wie der Kandidat verspricht, etwas "Fantastisches für dieses Land" zu tun. Doch die meisten in der Basketballhalle der Aiken Pacers, einem Stadion mit mehr als 4000 Plätzen, kriegen nichts mit. Donald Trump merkt es an der aufkommenden Unruhe, er schleudert das Mikrofon mit verächtlicher Geste zu Boden und lässt sich ein neues geben, eines, das er in der Hand halten muss.

"Mal ehrlich, dem Tontechniker, der hier den Auftrag bekam, würde ich keinen Cent zahlen. Du machst einen lausigen Job, dafür zahle ich nicht", poltert er. Bei Politikern, spinnt er den Faden fort, wäre das sicher anders, die ließen bekanntlich alles durchgehen, aber die nähmen ja auch nicht ihre eigenen Dollar-Scheine in die Hand, sondern immer nur das Geld anderer Leute. Von den Rängen prasselt Applaus. So mögen sie ihn, den Boss. So kennen sie ihn aus der Reality-Show "The Apprentice", in der er angehenden Jungunternehmern mit einem resoluten "Du bist gefeuert!" den Stuhl vor die Tür setzte, wenn er sie für ungeeignet hielt. Trump, schwärmt David Tolias, stehe für klare Kante.

Angst, nicht nur vor Attentaten

Tolias (38 Jahre), Arbeiter in einer Reifenfabrik, wird den Mann wählen, keinen anderen, so viel ist sicher. Auch für den Fall, dass der Baulöwe die republikanische Kandidatenriege verlässt, um als Unabhängiger anzutreten, womit er die Grand Old Party de facto ihrer Wahlchancen im Duell gegen Hillary Clinton beraubte. Davids Frau Cecelia (28), beschäftigt bei einem Paketdienst, sieht einen Mister Tacheles, der "ausspricht, was viele Leute denken, sich aber öffentlich nicht zu sagen trauen". Dass Trump vorerst keine Muslime mehr einreisen lassen will, nachdem ein radikalislamisches Ehepaar in San Bernardino einen Terroranschlag verübte, finden beide richtig. Harte Zeiten, klare Kante. Sie haben Angst, nicht nur vor Attentaten. David vor allem plagt die Vorstellung, dass "wir eines Tages so viele Muslime im Land haben, dass sie uns ihren Willen aufzwingen und ich meine Kultur ändern muss".

Trump hat den Senator John McCain, den viele als Kriegshelden verehren, seit er in vietnamesischer Gefangenschaft gefoltert wurde, wegen seiner Gefangennahme verhöhnt. Er hat eine TV-Moderatorin sexistisch beleidigt und einen körperbehinderten Reporter der "New York Times" nachgeäfft. Seine Rivalen im Bewerberrennen greift er grundsätzlich persönlich an, sobald sie ihm in die Quere kommen, er charakterisiert sie als "energiearm" (Jeb Bush), "pathologisch" (Ben Carson) oder "leichtgewichtig" (Marco Rubio). Bei anderen hätte wohl ein Bruchteil solcher Ausfälle gereicht, um sie abstürzen zu lassen. An Trump perlt alles ab. Bislang hat ihn noch jede Kontroverse gestärkt, in den Augen seiner Anhänger darf er sich alles erlauben, weil er ein politisches Establishment herausfordert, von dem sie sich im Stich gelassen fühlen.

"Nichts für uns getan"

"Er ist einer von uns", sagt David Tolias. Ob ein Milliardär für einen Malocher sprechen könne? "Klar, du kannst steinreich sein und dennoch mit beiden Beinen auf dem Boden stehen." Außerdem, er hatte sich das anders vorgestellt, als die Konservativen bei der Kongresswahl 2010 die Mehrheit im Parlament übernahmen und sie 2014 auf rekordverdächtige Werte ausbauten. "Wir haben die Demokraten richtig vermöbelt. Und was haben unsere Leute für uns getan? Nichts, einfach nichts." Barack Obamas Gesundheitsreform nicht rückgängig gemacht, den Atom deal mit Iran nicht gestoppt, die Legalisierung der Homo-Ehe nicht aufgehalten: Zieht Tolias Bilanz, klingt es verzweifelt. Also Vorhang auf für einen robusten Typen, der schon wisse, wie man etwas durchsetze.

Trump, der Populist, der von der Angst lebt. Und von der Enttäuschung. Michael Kazin, Historiker an der Georgetown University, erkennt ein Phänomen, das tiefe Wurzeln habe in der politischen Kultur der Vereinigten Staaten. Ein reicher Mann, den jeder kenne, verspreche vage, alles zu heilen, woran die Nation kranke. "Und das zu einer Zeit, da nahezu alle Republikaner, aber auch etliche Demokraten glauben, dass Politiker den Niedergang Amerikas entweder nicht aufhalten können oder nicht aufhalten wollen." Trump, so Kazin, erinnere ihn weniger an Hitler oder Mussolini, mit denen er neuerdings verglichen werde, eher an Henry Ford. Auch der Automagnat habe Gefallen daran gefunden, mit kontroversen Statements für Schlagzeilen zu sorgen. Auch über Ford schrieben Leitartikler in den 1920er-Jahren, er wecke ganz andere Hoffnungen als der "lahme" Präsident an der Pennsylvania Avenue.

"Politisch korrekt zu sein, können wir uns nicht länger leisten. Wir müssen hart sein, man lässt uns keine Wahl", deklamiert Trump. Aber es ist nicht so, dass er immer nur poltert. Er variiert, mal heizt er die Stimmung an, mal reißt er Witze, meist auf anderer Leute Kosten. "Sagt mal, wer hat das bessere Haar, Alan oder Donald?" Alan Wilson, der Justizminister South Carolinas, der neben ihm in einem grauen Sessel auf der Bühne sitzt, um Fragen zu stellen, tendiert früh zur Glatze. Ebenso unvermittelt fordert der Kandidat die Menge auf, sich umzudrehen und den Journalisten hinten in der Halle durch hämisches Winken zu zeigen, was man von den "Mainstream-Medien" hält. "Die sind so verlogen, das glaubt ihr kaum", pöbelt er. Ihre Kameras schwenkten nie über den Saal, die zeigten immer nur die Bühne, damit ja niemand am Bildschirm mitkriege, wie groß die Menge sei.

Der ganze Saal dreht sich um

Der Dirigent Trump hat leichtes Spiel, der ganze Saal dreht sich um und feixt über die Journaille. Sie gegen uns. Als wäre die Arena der Pacers eine Wagenburg, als wären die Kameraleute Boten des Feindes. Es ist auch nicht so, dass es keinen Widerspruch gäbe. Kaum hat der hemdsärmelige New Yorker gegen die Political Correctness gewettert, fährt ihm eine Gruppe von Studenten lautstark in die Parade. Der Ku-Klux-Klan, skandiert sie, habe in den USA nichts zu suchen. Ordner schieben die Störenfriede hinaus, während das Publikum sie niederschreit: "Trump! Trump! Trump!" So hat es die Regie gleich zu Beginn üben lassen: Wann immer Zwischenrufer Protest anmelden, sind sie durch Trump-Trump-Trump-Lärm zu übertönen.

Bei Jibril Hough geht es weniger glimpflich ab. Hough, ein weißer Südstaatler, der zum Islam konvertierte und nun einer Moschee in Charlotte als Sprecher dient, war aufgestanden, um mit den Worten "Schließt Gitmo!" die Auflösung des Camps Guantánamo zu verlangen. Vielleicht liegt es daran, dass er eine Gebetskappe trägt, jedenfalls wird er von zwei kräftigen Sitznachbarn regelrecht aus seiner Stuhlreihe geprügelt, bevor Polizisten einschreiten. In Donald Trump, sagt Hough hinterher, sehe er einen Clown. "Nur ist er ein Clown, den man langsam ernst nehmen sollte."