Bei EU-Gipfeln ist er der Erfahrenste, mit 58 Jahren aber nicht der Älteste. "Ich wollte nie Berufspolitiker werden. Aber ich kann vom Karriereverlauf her nicht abstreiten, dass ich das geworden bin", sagt Juncker, der gleich nach seinem Jurastudium in Straßburg eine steile Karriere in der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV) begann.

Seit er mit 40 Jahren Regierungschef wurde, ist er nicht nur im zweitkleinsten Land der EU die beherrschende Figur, sondern auch einer der ganz Großen der europäischen Politik. Als langjähriger Finanzminister - beide Ämter führte er viele Jahre in Personalunion - wurde Juncker vor allem zu einem Vater der Euro-Währung, als Vorsitzender der Eurogruppe von 2005 bis Anfang 2013 zum Krisenmanager der um ihre Existenz kämpfenden Gemeinschaftswährung.

Als Sohn eines von deutschen Besatzern einst zwangsrekrutierten Hüttenwerkspolizisten verbrachte Juncker eigenen Angaben zufolge eine glückliche Kindheit "im Rhythmus der Schmelze". Junckers Vater, in der christlichen Gewerkschaftsbewegung aktiv, hielt seinen Sohn schon als Kind an, Zeitung zu lesen und sich für Politik zu interessieren.

Die Sozialpolitik ist Juncker eine Herzenssache - und sie wird ihn auch im Fall seiner Wiederwahl am 20. Oktober weiter beschäftigen. Denn es geht dann nicht nur darum, Luxemburg angesichts des Informationsaustauschs über Zinseinkünfte als Finanzplatz zu sichern. Das Großherzogtum als eines der reichsten Länder der EU muss auch um seine Wettbewerbsfähigkeit kämpfen: Großzügige Rentenregelungen und automatische Gehaltserhöhungen stehen auf dem Prüfstand.

Juncker sagt, es sei wegen der Größe Luxemburgs kaum möglich, als Politiker "abzuheben". Gelegentlich entspannt er bei Spaziergängen mit seinem von der Insel Samos stammenden Hund "Plato": Der mache manches, aber längst nicht alles richtig: "Er ist also ein richtiger Grieche. Aber ich liebe die Griechen."