Am bundesweiten "Tag des Friedhofs" morgen unter dem Motto "Leben braucht Erinnerung" machen sie auf ihre Kunst aufmerksam.
Auf Wunsch lassen sich sogar Fotos auf poliertem Basalt verewigen. "Mit Laser-Gravur ist das kein Problem", sagt der Bremer Steinmetzmeister Daniel Wöhler vom Grabmalbetrieb Werth. Doch überwiegend fragen die Kunden in seinem Betrieb nach einem Stein, der wie früher mit einem Ornament und einem Schriftzug gestaltet wird. "Nur dass Hammer und Meißel heute mit Pressluft angetrieben werden", erzählt Wöhler.

Wieder mehr Bildhauerkunst
Findlinge, Gletscherfelsen, Basaltsäulen, Sandstein, Diabas, Porphyr und Granit unterschiedlichster Farben - heute sind auf den Friedhöfen viele Materialien erlaubt. Das war nicht immer so, erinnert sich Bremens Steinmetz-Obermeister Burckhard Göbel: "Größe, Material, Bearbeitung - das wurde alles vorgeschrieben."
Lange Zeit war der Grabstein auf die industriell geschnittene Vierkant-Stele reduziert. Jetzt bekommt er wieder Formen, und die Steinmetze dürfen zuweilen bildhauerisch tätig werden.
Mit besonderen Feldern, auf denen auch eigenwilliges Design erlaubt ist, versuchen Kommunen und Kirchen dem Leerstand auf ihren Friedhöfen zu begegnen. So hat selbst Top-Designer Luigi Colani auf der Fachmesse "Stone+tec" in Nürnberg eine Grabstein-Kreation vorgestellt. Auf Kindergräbern drehen sich vielerorts Windrädchen, oft überragt durch Stelen, die mit Engeln geschmückt sind.
Opulente Grabmäler wie auf dem Riensberger Friedhof in Bremen, dem Alten Südfriedhof in München und dem größten Parkfriedhof der Welt, dem Hauptfriedhof Hamburg-Ohlsdorf, sind allerdings passé. Auch hier sei längst die "Geiz-ist-Geil"-Mentalität ausgebrochen, klagt Göbel. Durch billige Entsorgung und den wachsenden Wunsch, nach dem Tod den Angehörigen mit der Grabpflege nicht lästig zu werden, sieht er die Trauerkultur bedroht: "Der Mensch braucht einen angemessenen Ort, um mit dem Verlust fertig zu werden", betont der Steinmetz.

Klassische Symbole gefragt
Doch das ist nicht die einzige Front, an der das Handwerk kämpft. Längst ringt die Branche mit der Globalisierung, denn das weitaus meiste Material kommt nicht mehr aus deutschen Steinbrüchen, sondern aus Indien, China und Brasilien. Auch Wöhler bietet die bereits geschnittenen und polierten Rohlinge an, gestaltet sie dann aber ganz nach Wunsch des Kunden: "Gefragt sind klassische Symbole wie Kreuz, Rosen und Lilien."
Es ist nicht nur die anhaltend gute Konjunktur, die ambitionierte Meister wie Wöhler optimistisch stimmt. Denn neben den Kunden, die zuerst nach dem Preis fragen und es möglichst billig haben wollen, gibt es auch eine steigende Zahl von Angehörigen, denen ein persönlich gestalteter Stein wichtig ist. So wie beim Globus für den Weltreisenden, der auf dem Kirchenacker in Bremen-Oberneuland begraben liegt.
Internet: www.tag-des-friedhofs.de.