Nachdem eine Studie die Millionenmetropole jüngst zur weltweit teuersten Stadt für Ausländer erklärte, will Bürgermeister Juri Luschkow handeln. "Wir sollten Moskau als eine selbstbewusste, angenehme und interessante Stadt präsentieren", formuliert er sein Ziel. Damit dieser Wunsch wahr wird, startet das Moskauer Rathaus eine aufwändige Imagekampagne. Ab dem kommenden Jahr bis 2009 sollen dafür umgerechnet 20 Millionen Euro ausgegeben werden.

Geringe Lebensqualität
Die Kosten der Kampagne, von denen die Stadtverwaltung 13 Millionen Euro übernimmt und die restlichen sieben Millionen Euro von Wirtschaftsverbänden kommen sollen, finden die beauftragten Imageberater angemessen. "Schließlich ist auch Micky Maus nur eine Maus mit guter Werbung", veranschaulicht Veronika Chilschewskaja die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit. Bislang bekommt Moskau in Studien für seine Lebensqualität wegen hoher Preise, häufiger Staus und Luftverschmutzung immer wieder schlechte Noten. Ausländische Besucher beklagen, dass es in Moskau zu wenige Touristen-Informationen und öffentliche Toiletten gebe und öffentliche Gebäude oft nicht behindertengerecht seien.
Bürgermeister Luschkow prangert hingegen an, dass die Medien sich vor allem auf negative Ereignisse in Moskau stürzten. Dabei reichen die Negativmeldungen vom Einsturz von Gebäuden wegen Baupfusch bis hin zu brutalen Übergriffen auf dunkelhäutige Ausländer. Damit die Berichte etwas wohlwollender werden, will die Stadtverwaltung künftig Journalisten zweimal im Jahr zu Kreuzfahrten auf der Moskwa einladen. Auch in einem vierteljährlich erscheinenden dreisprachigen Magazin für ausländische Behördenvertreter sollen die positiven Seiten der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt hervorgehoben werden.
Moskau soll außerdem endlich auch eine englischsprachige Internetseite bekommen. Die Stadt steht gerade in Verhandlungen über den Kauf von www.moscow.com, sagt der Chef des neuen Zentrums für die internationale Öffentlichkeitsarbeit für Moskau, Georgy Muradow. In den Wirren nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 hatten die städtischen Behörden es versäumt, sich die eingängige Adresse zu sichern. Die breit angelegte Kampagne soll mehr Touristen nach Moskau locken. "Es lohnt sich, wenn Moskau einen guten Eindruck macht", erklärt der Leiter des Moskauer Tourismusausschusses. Jeder ausländische Tourist lasse im Schnitt 700 Euro in der Stadt.

Mehr als Kreml und Roter Platz
Im vergangenen Jahr kamen aber nur 3,5 Millionen ausländische Besucher nach Moskau, siebenmal weniger als nach Paris. Dabei hat die russische Hauptstadt mehr zu bieten als Kreml und Roten Platz. Seit Beginn der 90er-Jahre wurden alte Hotelfassaden aufwendig renoviert, Kirchenkuppeln wieder aufgebaut, Brücken und Denkmäler herausgeputzt. "Alle hundert Meter gibt's ein Restaurant, die Läden sind voll und überall gibt es Blumen", sagt der 48-jährige Wladimir Beketow, der nach zwölf Jahren im nördlichen Workuta gerade nach Moskau zurückgekehrt ist.
Was Moskau jetzt noch fehlt, ist ein besseres Image. Kritiker warnen aber schon vor einem Fehlschlag der Kampagne. Das lange Zeit kommunistische Russland habe nicht viel Erfahrung mit dem Werben für den eigenen Ruf, sagt die Chefredakteurin des russischen Magazins "Sowerschenno Sekretno", Galina Sidorowa: "Es steckt noch immer tief in der alten Propaganda drin."