Körperlich hat Heinz B. (Name geändert) den Raub fast unbeschadet überstanden. Nur eine kleine Wunde trug er davon, als ihm Sven M. ein Küchenmesser an den Hals drückte.

Die Wunde ist längst verheilt, doch psychisch leidet der Taxifahrer noch immer schwer unter dem Geschehen in der Septembernacht vorigen Jahres in Cottbus.

"Ich träume noch immer davon und denke fast täglich daran", sagt der 60-Jährige als Zeuge am Montag vor dem Landgericht Cottbus. In wenigen Augenblicken sei ihm sein halbes Leben durch den Kopf gegangen, als er mit dem Messer bedroht wurde. Zum Einschlafen brauche er heute noch Tabletten. Bis Ende November war er arbeitsunfähig. "Ich fahre seitdem keine Nachtschichten mehr", beschreibt er eine weitere Folge des nächtlichen Überfalls.

Während seiner Zeugenaussage vermeidet es der Taxifahrer, zur Anklagebank hinüberzuschauen. Dort sitzt Sven M., der Mann, der ihm im Taxi das Küchenmesser an den Hals gedrückt hatte, ihn unter Drohungen zwang, seine Taschen zu leeren und auszusteigen. Sein privates Handy habe er aber aus dem Auto mitnehmen dürfen. Damit habe er dann die Polizei alarmiert, so das Überfallopfer.

Der 37-jährige Räuber war derweil mit dem Taxi bis nach Frankfurt (Oder) gefahren. Die im Fahrzeug verbliebenen Tageseinnahmen von etwa 180 Euro habe er nicht mitgenommen, versichert er vor Gericht. Wenige Stunden später hatte er sich selbst bei der Polizei gestellt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Weil er bei dem Überfall ein Messer, also eine Waffe, benutzte, droht ihm für den Raubüberfall eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis. Es ist nicht die erste Straftat des Mannes. Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf einen Taxifahrer saß er bereits bis 2002 mehrere Jahre im Gefängnis.

Sven M., der aus Cottbus stammt, ist mittelgroß, hat dunkle, nackenlange lockige Haare. Ohne Umschweife sagt er vor Gericht aus, schildert, was sich am Tattag und kurz davor in seinem Leben ereignet hatte. Zutage kommt eine Geschichte, die auch tragische Züge trägt.

Im September vorigen Jahres wohnte er mit seiner Lebensgefährtin in der Nähe von Leipzig. Die hatte fünf Kinder mit in die Beziehung gebracht und war von Sven M. erneut schwanger. Es habe Probleme gegeben, schildert der Angeklagte vor Gericht, das Schlimmste sei eine Krebsdiagnose bei seiner Frau gewesen.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters bestätigt er später, dass es für seine Frau keine Aussicht auf Heilung gibt. Vor einer Woche wurde die gemeinsame Tochter per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Sven M. und seine Lebensgefährtin haben vor einiger Zeit in der Untersuchungshaft geheiratet.

Zwei Tage vor dem Raubüberfall auf den Cottbuser Taxifahrer hatte sich das Paar gestritten. "Irgendwann hat meine Frau dann gesagt, wenn mir das alles nicht passt, könnte ich ja gehen", berichtet er davon. Dann sei er gegangen und zu seiner Mutter nach Cottbus gefahren. Was diesen Streit so auf die Spitze trieb, Sven M. kann sich nicht mehr daran erinnern.

Von Cottbus aus wollte er zunächst zu seiner Schwester fahren. Doch Sven M., der an Epilepsie leidet, hat keinen Führerschein. Auf der Autobahn wurde er von der Polizei kontrolliert. Das Auto, das sonst seine Frau fuhr, wurde beschlagnahmt.

Er sei dann zurück nach Cottbus, zunächst zu seiner Mutter, dann stundenlang ziellos umhergelaufen. Gegen zwei Uhr nachts bestellte er dann telefonisch ein Taxi von der Innenstadt in den Stadtteil Sachsendorf. Am Steuer saß Heinz B., dem er am Zielort dann das Messer an den Hals drückte. Das Messer habe er aus dem von der Polizei beschlagnahmten Familienauto mitgenommen.

Auch auf Nachfragen des Gerichtes kann er keine wirkliche Erklärung für den Überfall geben. Auch dass er nach Frankfurt (Oder) gefahren sei, habe er nicht geplant: "Ein richtiges Ziel war nicht da, ich wollte nur irgendwie weg." Er habe auch den Gedanken gehabt, sich umzubringen. In Frankfurt stellte er das Auto ab und stieg in einen Zug nach Berlin.

Während der Bahnfahrt erst, so M. vor Gericht, sei ihm dann langsam richtig klar geworden, was er getan habe. Er habe mit einer seiner Schwestern telefoniert und sich dann bei der Polizei in Cottbus selbst gestellt. Auf Nachfrage des Gerichtes erklärt er, dass er nicht die Absicht gehabt hatte, den Taxifahrer ernsthaft zu verletzen: "Ich wollte ihm nichts tun, ich habe gehofft, dass meine Drohung wirkt." Auf Nachfrage des Verteidigers, Michael Sinapius, bestätigt der überfallene Taxifahrer im Zeugenstand, dass er vor wenigen Tagen einen Brief des Angeklagten bekommen habe. Darin habe der die Tat bedauert.

Doch als eine Entschuldigung annehmen konnte er den Brief offensichtlich nicht. "Wieso wird meine Privatadresse an den herausgegeben, das ist nicht in Ordnung", beklagte er sich, überhaupt Post von dem Angeklagten bekommen zu haben.

Nächste Woche am Donnerstag werden noch einige wenige Zeugen in dem Verfahren vor dem Landgericht Cottbus aussagen. Darunter wird die Besitzerin des geraubten Taxis sein. Sie soll aufklären helfen, ob die Tageseinnahmen des überfallenen Heinz B. noch in dem Auto lagen, als es gefunden wurde. An diesem zweiten Verhandlungstag könnte es auch bereits das Urteil geben.