Sie stellt sich mit Namen vor. Nicht jeder in einer Position wie der ihren hält das für nötig.

Sie hört zu, geht auf ihr Gegenüber ein, stellt Fragen. Bald wird klar: Bettina Limperg ist eine Vermittlerin. Am Donnerstag ist die 54-Jährige von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) offiziell in ihr Amt eingeführt worden. Und bislang scheint es so, als sei sie genau richtig an dieser Stelle: "Ich schätze sachliche Auseinandersetzungen und Lösungsorientierung", sagt Limperg von sich selbst.

Beides benötigt sie, denn das Karlsruher Gericht war nach einem öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Limpergs Vorgänger Klaus Tolksdorf und dem renommierten Strafrichter Thomas Fischer arg gebeutelt, der Ruf in der Juristenschaft lädiert. In der Auseinandersetzung ging es um den Vorsitz des 2. Strafsenats, den sich Fischer schließlich gegen den Willen Tolksdorfs per Gericht erstritt. Nach Tolksdorfs Ausscheiden im Januar war klar, dass der Posten von außen besetzt werden muss. Die Wahl fiel auf Limperg, die Amtschefin im baden-württembergischen Justizministerium.

Nun sind die Erwartungen groß, die in die erste Frau an der Spitze des BGH gesetzt werden. Die Menschen finden gut, dass sie nicht den "Chef" im negativen Sinne heraushängen lässt, dass sie sich für die Menschen interessiert und zugibt, wenn sie etwas nicht weiß. Sie selbst sieht es erst einmal als ihre wichtigste Aufgabe an, das Haus kennen- und verstehen zu lernen. Das wird eine Weile dauern, denn beim BGH arbeiten nicht nur rund 130 Richter, sondern auch Verwaltungsbeamte und Justizangestellte, alles in allem über 400 Menschen. Darüber hinaus muss Limperg auch als Richterin glänzen, denn sie ist kraft ihres Amtes Vorsitzende Richterin des Kartellsenats und des Anwaltssenats. Sie hat nun Zeit, um dem Amt ihren Stempel aufzudrücken. Was Limperg daraus macht und wie sie sich bewährt, etwa wenn unpopuläre Entscheidungen anstehen, muss sich noch zeigen. Limperg schätzt "Einfallsreichtum und Kreativität". Auch dies wird sie so manches Mal brauchen.