Auch zwischen Jubiläen lässt es die Freiberger Bergakademie ordentlich krachen. Als einzige Universität der Welt besitzt sie ein eigenes Bergwerk, und auch eine Sprengkammer in 150 Metern Tiefe gehört zu den Superlativen. Hier beschäftigen sich Forscher mit Versuchen zu stofflichen Veränderungen unter extremem Druck. Der ist nach menschlichen Maßstäben kaum fassbar, schließlich geht es um mehrere Hundert Gigapascal. Um eine Vorstellung zu geben, bringen die Freiberger gern einen amüsanten Vergleich: Würde man den Pariser Eiffelturm auf einer Fingerspitze balancieren, entspräche das einem Druck von gerade einmal zehn Gigapascal. Freiberg hat in der weltweiten Gemeinde der Montanwissenschaftler einen ausgezeichneten Ruf. Schließlich gehört die 1765 gegründete Lehranstalt zu den ältesten ihrer Art und hat seit jeher Persönlichkeiten angelockt. Alexander von Humboldt (1769-1859) gehört genauso dazu wie die Dichter Karl Theodor Körner (1791-1813) und Novalis (1772-1801). Auch zu DDR-Zeiten war sie ein internationaler Treffpunkt. Heute bezeichnet sich die Akademie als Ressourcenuniversität und widmet sich den Themen Geologie, Material, Energie und Umwelt. Im Kern geht es um Lehre und Forschung für eine nachhaltige und effiziente Stoff- und Energiewirtschaft.

Alle Aktivitäten und Kooperationen stehen unter der Maxime der Nachhaltigkeit - einem Prinzip, das 1713 vom damaligen sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) begründet wurde. So will man unter anderem zusammen mit dem Helmholtz-Institut für Ressourcenforschung herausfinden, in welchem Umfang sich aus alten Deponien und Bergbauhalden noch wichtige Rohstoffe wie die Metalle Indium und Germanium - beide wurden seinerzeit in Freiberg entdeckt - gewinnen lassen. Gemeinsam mit Bergbau-Universitäten aus aller Welt gründete Freiberg 2013 ein Weltforum für Nachhaltigkeit. Ohnehin reichen die Aktivitäten der Sachsen in aller Herren Länder.

Ob nun auf dem Meeresboden des Pazifik oder in der chilenischen Atacama-Wüste: Wissenschaftler der Bergakademie sind weltweit im Einsatz. Die Basis für viele Forschungsprojekte bildet eine exzellente technische Ausstattung in Freiberg. Mit der virtuellen Projektionskammer Cave lassen sich beispielsweise Vorgänge visualisieren, die gemeinhin im Verborgenen stattfinden - zum Beispiel der Verbrennungsprozess in einem Hochofen. Im Lehrbergwerk "Reiche Zeche" entwickeln Informatiker Roboter, die die Arbeit unter Tage sicherer und effizienter machen. Die Maschinen sollen etwa exakte 3-D-Kartierungen von Bergwerken erstellen.

Heute sind an der Uni 5300 Studenten an sechs Fakultäten eingeschrieben. Sie haben zwischen 63 Studiengängen die Wahl. Der Schwerpunkt liegt auf den Geo- und Ingenieurwissenschaften. In elf Studiengängen bietet Freiberg noch Diplome an. Der Anteil der ausländischen Studenten liegt bei 13 Prozent. Der Studiengang Markscheidewesen und angewandte Geodäsie ist einmalig in Deutschland. Bei Geotechnik und Bergbau ist Freiberg eine von drei Ausbildungsstätten.