Vor allem auf den sumpfig-feuchten Wiesen von Birkenau, rund zwei Kilometer vom Stammlager Auschwitz I entfernt. Deshalb haben das Museum und die polnische Regierung die anderen Länder Europas jetzt um Hilfe gebeten. Mithilfe einer internationalen Stiftung soll der Ort erhalten werden, an dem die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs 1,1 Millionen Menschen ermordeten und dessen Name zum Inbegriff für den Holocaust an den Juden Europas wurde.Schäden durch RegenRafal Pioro, Chefkonservator des Museums, muss kräftig an der Tür der Backsteinbaracke rütteln, um sie aufzubekommen. Es hat viel geregnet. Das Türholz ist aufgequollen. Die Mauern haben sich mit Wasser vollgesogen. Die hintere Giebelmauer wölbt sich nach außen, gehalten nur von einem Gerüst. Die Fundamente der Baracken reichen nicht tief genug in die Erde, um die Veränderungen des Bodens durch Frost, Tauwetter, Regen und Grundwasser abzufangen, erklärt Pioro. "Die Gebäude arbeiten die ganze Zeit." "Wir erreichen jetzt einen Moment, an dem wir mit der bisherigen Strategie der punktuellen Konservierung aufhören und schnell eine umfassende Strategie entwickeln müssen", sagt Museumsdirektor Piotr Cywinski. Dringend müssen die Fundamente der 45 Steinbaracken in Birkenau stabilisiert werden. Insgesamt gilt es auf dem fast 200 Hektar großen Gelände 155 Gebäude und 300 Ruinen zu erhalten sowie die Reste der Infrastruktur des Lagers. Auch die Blocks im Stammlager Auschwitz I bedürfen der Pflege. Sie leiden vor allem unter dem Andrang von mehr als einer Million Besuchern jährlich. Konserviert werden müssen zudem Zehntausende Dokumente und Objekte, die von den Ermordeten geblieben sind, darunter allein 80 000 Schuhe und 3800 Koffer.Selbstfinanzierung angestrebtMit der neuen Stiftung soll ein "Mechanismus der Selbstfinanzierung" für diese Konservierungsarbeiten geschaffen werden, erklärt Cywinski. Ein fest angelegtes Stiftungskapital von 120 Millionen Euro reichte aus, um jährlich vier bis fünf Millionen Euro an Dividenden und Zinsen zu bringen. Soviel Geld benötigt das Museum Experten zufolge in Zukunft für die Konservierung und Pflege seiner Bestände. Das ist mit dem bisherigen Budget nicht zu leisten. Es betrug im vorigen Jahr 6,8 Millionen Euro. Weniger als fünf Prozent des Budgets kamen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und von der US-Stiftung Ronald S. Lauder. Die Bundesregierung hat für 2009 bereits eine Million Euro für die Stiftung zugesagt und weitere Gelder in Aussicht gestellt. Auch an die EU ging der Appell sich zu engagieren, so Cywinski.