Wenige hundert Meter vom Hotel "Bayerischer Hof" entfernt, demonstrierten bei dichtem Schneetreiben in der Innenstadt zehntausende Menschen. Drinnen wie draußen stand ein Thema im Mittelpunkt des Interesses: der drohende Krieg am Golf.
Ein massives Aufgebot von 3500 Polizisten war im Einsatz, um jede Form von Krawallen im Keim zu ersticken. Doch der Großteil der Demonstranten verhielt sich friedlich. Weder Bierflaschen noch Eier flogen. Wer sich wirklich mit der Polizei anlegen wollte, der griff zu einem anderen Mittel - und zwar zum Schnee. So wurde aus der Demonstration nach und nach eine große Schneeballschlacht. Wermutstropfen: Einige Demonstranten spickten ihre Schneebälle mit Steinen und verletzten damit einige Polizeibeamte leicht.
In einem ungewöhnlich breiten Bündnis hatten Gewerkschaften, Kirchen und politische Parteien zu einer der beiden Großkundgebungen aufgerufen, bei der sie die USA zu einem Politikwechsel aufforderten. "Mich bedrückt die geschäftsmäßige Routine, mit der über Kriegsoptionen gesprochen wird", sagte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) unter lautem Applaus. Ude forderte die USA auf, ihre Pläne zu überdenken. "Ein Krieg ist kein Videospiel", sagte Ude. Die Demonstranten trugen dabei Transparente mit der Aufschrift "No war - Kein Krieg" oder "Der Krieg hat nur einen Sieger - den Tod" und riefen die US-Regierung zu einem Politikwechsel im Irak-Konflikt auf. Der Münchner Weihbischof Engelbert Siebler sagte, "ja zum Frieden, weil wir auf die Menschen schauen".
Fast zeitgleich versammelten sich in der Innenstadt Tausende zu einer zweiten Kundgebung, zu der rund 80 linke Gruppen aufgerufen hatten. Einige Demonstranten waren unter anderem aus Österreich, der Schweiz und Frankreich angereist. Begleitet wurde die Demonstration von hunderten Polizisten. Daneben drängten sich mit dicken Einkaufstüten bepackte Menschen in die Geschäfte, um die letzten Schnäppchen des Winterschlussverkaufs zu ergattern. Anders als vor einem Jahr ließen nur wenige Ladenbesitzer in der Innenstadt ihre Geschäfte vorsichtshalber geschlossen. Entgegen allen Befürchtungen meldete die Polizei: "Alles friedlich."
Hunderte Unterbringungsmöglichkeiten für in Gewahrsam genommene Menschen hatte die Polizei eingerichtet, doch diese blieben weitgehend leer. Insgesamt wurden 24 Demonstranten unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung und Widerstands gegen Polizeibeamte festgenommen. 27 Menschen mussten in Gewahrsam, 22 von ihnen waren bereits in der Nacht zum Samstag aus einem Jugendtreff geholt und festgesetzt worden.
Für ein wenig Feierlaune im Schneegestöber sorgte die Rockband Sportfreunde Stiller, nach der zweiten Demonstration heizte Liedermacher Konstantin Wecker den frierenden Demonstranten ein.
Auch in Bremen, Frankfurt am Main, Freiburg und Chemnitz gab es friedliche Demons-trationen.