ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:45 Uhr

Eine Seilbahn für Berlin

David Hein mit seinem preisgekrönten Entwurf für Lichtenberg.
David Hein mit seinem preisgekrönten Entwurf für Lichtenberg. FOTO: Sebastian Gabsch
David Hein, 24, ist aus Berlin nach Cottbus gekommen, um hier Architektur zu studieren. Jetzt gewann er einen der renommiertesten Architektur-Preise des Landes – ausgerechnet mit einem Entwurf für Berlin. Andrea Hilscher

Cottbus. Dem jungen Studenten spukten schon lange Ideen im Kopf herum, die sich um das Thema "Seilbahn" drehen. "Es ist ein gutes Transportmittel, das viel mehr kann, als nur Menschen auf Berge zu befördern."

Als David Hein die Ausschreibung für den 160. Schinkelwettbewerb las, kam ihm seine Seilbahn-Idee wieder in den Kopf. Die Aufgabe des Wettbewerbs war es, den Berliner Stadtteil Lichtenberg zu entwickeln: einem unorganisierten Gewirr aus Neubaugebieten, Naturflächen, Kulturstandorten und einem alten Kraftwerk. Schlechte Anbindung an den Nahverkehr und wenig Laufpublikum.

"Ich habe mir das Viertel intensiv angeschaut und eine wunderbare Führung durch das alte Kraftwerk bekommen", erzählt David Hein. Inspiriert von einer Vorlesung des Cottbuser Professors Leo Schmidt habe er ohnehin einen Schwerpunkt auf Denkmalpflege gesetzt, und so beschloss er, der Kraftwerksbau solle eine zentrale Rolle in seinem Entwurf einnehmen. "Ich habe mich in den Bau verliebt. Außerdem gefiel mir die Idee, das Kraftwerk zum Endhaltepunkt einer Seilbahn zu machen, die Lichtenberg mit dem Zentrum verknüpfen kann. "Eine Seilbahn zu bauen, macht die erforderlichen Spreequerungen leichter, zudem ist ihr Bau naturverträglicher als etwa Straßen", begründet Hein seine Idee. Die Bahn soll Menschen nach Lichtenberg bringen, die vorhandenen kulturellen Einrichtungen beleben und zugleich neue Angebote im Kraftwerk unterstützen. Theater, Bars, Werkstätten könnten in dem Gebäude Platz finden.

Der Entwurf von Hein, zugleich die Bachelorarbeit des jungen Studenten, wurde mit gleich zwei Preisen bedacht: dem mit 3000 Euro dotierten Schinkel-Preis für Architektur/Denkmalpflege im Themenschwerpunkt Objekt und Intervention sowie einem Sonderpreis in Höhe von 1500 Euro für den behutsamen Umgang mit dem Bestand. "Auf den einen Preis habe ich tatsächlich gezielt hingearbeitet, der zweite ist eine angenehme Überraschung."

Erfolge in Architekturwettbewerben sind nicht neu für den gebürtigen Berliner: Vor einigen Jahren legte er einen Entwurf für den Ostsee vor. "Seeschlange" nennt sich seine Idee, ein Hotel zu erreichten, bei dem alle Zimmer Seeblick haben. Die Kaimauer an der Uferpromenade wäre gleichzeitig Anleger für Boote, durch die gewundene Form entstünden kleine Buchten.

So ist er mit seinen Ideen gleichermaßen der Lausitz wie der Hauptstadt verbunden. Wo er letztlich sein Masterstudium absolvieren wird, ist noch unklar. "Es liegt nicht an Cottbus, aber ich glaube, ich werde noch mal eine andere Stadt ausprobieren."