D as wichtigste Utensil von Carmen Lötsch ist ein Terminplaner im Din-A5-Format. "Das ist mein Outlook", sagt die 47-Jährige lachend. In dem kleinen Buch, das mit einem Pferdeaufkleber verziert ist, notiert sie nicht nur geschäftliche, sondern auch private Termine, schreibt alles ein, was erledigt werden muss. Denn als Geschäftsführerin der Zookultur Hoyerswerda führt die gebürtige Stuttgarterin vier verschiedene Sparten, muss Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Das erfordert gute Organisation.

Organisieren ist etwas, das Carmen Lötsch beherrscht. Ihr Lebensweg eignet sich als Musterbeispiel für ein Zeitmanagementseminar. Als sie 2002 ihr Studium für Didaktik, Pädagogik und Kulturmanagement an der Technischen Universität Dresden beginnt, hat sie bereits drei Kinder. "Die Kinder sind morgens in die Schule gegangen, ich bin zum Studium gefahren. Und wenn die Jüngste krank war, habe ich sie mit an die Uni genommen", erzählt Carmen Lötsch, die zu dieser Zeit zwischen ihrem Haus im sächsischen Panschwitz-Kuckau und dem Campus in Dresden pendelt. Da ihr Mann als Soldat zudem oft im Auslandseinsatz ist, lastet die ganze Verantwortung auf ihren Schultern. Vielleicht strahlt Carmen Lötsch deshalb diese innere Stärke aus, wirkt unerschütterlich. "Ich hatte damals aber auch Momente, in denen ich dachte, es geht nicht mehr. Dann habe ich mit meiner Schwester telefoniert. Das hat geholfen", erzählt sie. Die Schwester, die in den USA lebt, kann die Situation nachfühlen, arbeitet ihr Mann doch ebenfalls beim Militär.

Hilfreich sind für Carmen Lötsch nicht nur die tröstenden Worte. Auch die Bewohner in ihrem neuen Heimatort greifen ihr unter die Arme; besonders dann, als ihr Mann krank wird und lange im Krankenhaus liegt. "Da haben sich dann die Nachbarn um die Kinder gekümmert, wenn ich schnell mal wegmusste."

Seit 1993 wohnt die Baden-Württembergerin mit ihrem Mann auf einem Bauernhof im sächsischen Panschwitz-Kuckau. Sie selbst hat vorher in Berlin gelebt, ihr jetziger Mann in München. Sachsen ist die Mitte. In ihrer neuen Heimat fühlt sich Carmen Lötsch sofort wohl, sagt: "Die Sachsen und die Schwaben sind sich sehr ähnlich." So werde beiden viel Fleiß nachgesagt, Tüftlereigenschaften. Lötsch schmunzelnd: "Auch die Sprache ist ähnlich und die Griesgrämigkeit." Mit dem Umzug auf den Bauernhof erfüllt sich für die damals 29-Jährige ein großer Traum: "Ich wollte immer Platz haben und die Möglichkeit, Tiere zu halten." Zwei Hunde, eine Stute und ein Wallach gehören mittlerweile zur Familie. Allerdings stehen die Pferde auf einem Pferdehof, da Carmen Lötsch zwischen Gremiensitzungen, Abendveranstaltungen und Tagesgeschäft die Zeit fehlt, sich um die Tiere zu kümmern. "Ich habe oft in einer Sitzung gesessen und gewusst, die Pferde stehen noch draußen, warten auf ihr Futter und müssen sauber gemacht werden." Nun weiß sie die Tiere gut versorgt, genießt am Wochenende oder nach der Arbeit das Glück auf dem Rücken der Pferde.

Nach dem Reiten ist Lesen das liebste Hobby von Carmen Lötsch. "Ich lese mehrere Bücher parallel. Da ist immer ein Fachbuch dabei, und sonst geht es quer durch die Belletristik. Ich lese auch oft meinem Mann etwas vor oder wir lesen gemeinsam ein Buch." Da auch ihr Mann viel arbeitet, der große Sohn studiert und höchstens am Wochenende da ist, will die Familienzeit gut geplant sein. Trotzdem kann sie in ihrer Freizeit auch einfach mal in den Tag hinein leben.

Geht es aber um die Arbeit, ist sie sehr genau, hat immer im Blick, was in den einzelnen Sparten vor sich geht: "Ich muss jeden Tag aktuell meine Zahlen haben, damit ich weiß: Wo muss gegengesteuert werden, wo läuft es, wie es geplant war? Da kommt mir auch meine Ausbildung und die Arbeit im Steuerbüro zugute. Jede Rechnung geht über meinen Tisch." Schließlich liegen das Schloss, der Zoo, die Volkshochschule, die Musikschule und die Reimann-Bibliothek in ihrer Verantwortung. Die trägt sie gern. Halbe Sachen hingegen mag sie gar nicht. Als sie 2006 die Leitung der damaligen Kultur und Bildung gGmbH Hoyerswerda - der Zoo kam später hinzu - übernimmt, bemerkt sie Wissenslücken, beginnt parallel zu ihrer Arbeit ein Kulturmanagement-Studium an der Dresden International University. "Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich", sagt sie.

Was für sie gilt, erwartet sie auch von anderen. Faulheit, Dilettantismus und fehlende Flexibilität bringen die sonst gut gelaunte Schwäbin auf die Palme. Auch Sätze wie "Das haben wir schon immer so gemacht!" nerven sie. "Der Wille zur Veränderung muss da sein", sagt die 47-Jährige. Sie steckt sich auch selber immer neue Ziele: "Ich möchte noch promovieren."

Carmen Lötsch wirkt pragmatisch. Das spiegelt sich auch in ihrer Kleidung wider. Zur Bluse trägt sie Jeans und bunt bedruckte Stoffturnschuhe. Die Arbeit als Geschäftsführerin der Zookultur macht ihr viel Spaß, spiegeln die einzelnen Sparten doch auch ihre Interessen, die Begeisterung für Tiere, für Bücher, für Kunst wider. Der Herausforderung, ein so großes Kulturunternehmen zu führen, stellt sich Carmen Lötsch gerne noch eine Weile. Sie sagt aber auch: "Ich weiß nicht, ob ich das bis zur Rente mache ."

Alle bisher veröffentlichten Teile der Porträtserie finden Sie unter www.lr-online.de/starkefrauen

Zum Thema:
Carmen Lötsch wurde 1966 in Stuttgartgeboren, besuchte das katholische Mädchengymnasium St. Agnes. 1986 legte sie das Abitur ab und absolvierte in Berlin eine Ausbildung zur Fachangestellten in steuer-und wirtschaftsberatenden Berufen. Nach mehreren Jahren Berufstätigkeit folgt 1993 der Umzug nach Panschwitz-Kuckau in Sachsen, 1995 die Heirat mit Christoph Lötsch. Carmen Lötsch macht sich selbstständig und arbeitet als Prokuristin für ein mittelständisches Unternehmen. Von 2002 bis 2006 studiert die Süddeutsche an der TU Dresden Didaktik, Pädagogik und Kulturmanagement. 2006 übernimmt Carmen Lötsch die Leitung des damaligen Eigenbetriebes Kultur und Bildung Hoyerswerda. Parallel dazu beginnt sie ein Kulturmanagement-Studium an der Dresden International University und schließt dies 2010 ab. Seit 2011 ist Carmen Lötsch Geschäftsführerin der Zoo, Kultur und Bildung gGmbH Hoyerswerda.