Der Dresdner folgt einem Vorbild: Die Schriftstellerin Helga Schütz verarbeitete ihre Kindheitserinnerungen aus der Stadt 1977 mit "Jette in Dresden". Am heutigen Dienstag wird Schütz 75 Jahre alt.

Gerade hat sie ihr neuestes Buch vorgelegt. "Sepia" heißt der Roman. Es ist wieder eine Erzählung, die als Autobiografie gelesen werden kann, auch wenn Schütz das bei der Vorstellung des Buches strikt verneint.

Tatsächlich aber nimmt ihre Protagonistin Eli einen Weg, wie aus Schütz' Leben gepaust: Die gelernte Gärtnerin (Schütz begann als Landschaftsgärtnerin) will Mitte der 1950er-Jahre von Dresden aus mit 17 auf die neu gegründete Filmakademie nach Potsdam-Babelsberg. Obwohl sie keine Cineastin ist und auch von Dramaturgie keinerlei Ahnung hat, gelingt es ihr über die "Arbeiterquote", einen Studienplatz zu ergattern - gleich Schütz.

Bei Lesungen gleicht Schütz eher der netten Blumen gießenden Nachbarin, die auf Welterklärungen und Analysen verzichtet. Statt gepflegtem "Kultur-Dresdnerisch", spricht die seit Jahrzehnten in Potsdam lebende Autorin auch auf dem Podium lieber ein gemütliches Sächsisch und hält es damit wie Erich Kästner, wiewohl künstlerisch zwischen den beiden Welten liegen.

Sollte Schütz sich wirklich bei Kästner etwas abgeguckt haben, dann den spitzbübischen Humor, der stellenweise bei ihr aufblitzt. Zudem machte sie sich wie der große Kollege schnell einen Namen in Babelsberg. Denn noch vor der Schriftstellerkarriere arbeitete sie als Drehbuchautorin, oft an der Seite des ihr auch privat nahe stehenden TV- und Defa-Regisseurs Egon Günther ("Lotte in Weimar"). Mit ihm schrieb sie unter anderem das Skript für "Ursula" (1977). Ein Jahr zuvor hatten beide eine Filmversion von Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" geschrieben.

Parallel war sie selbst als Regisseurin im Dokumentarbereich und nach der Wende als Professorin für Drehbuchschreiben an der heutigen Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Babelsberg tätig.