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Fischer
Eine Rute reicht zum Angeln nicht

Angeln ist ein weit verbreitetes Hobby. Doch wer die Schnur ins Wasser lassen will, muss strikte Regeln befolgen.
Angeln ist ein weit verbreitetes Hobby. Doch wer die Schnur ins Wasser lassen will, muss strikte Regeln befolgen. FOTO: Arno ZB
Cottbus. Ob erwerbsmäßig oder als Liebhaberei – Fischer zieht es zu jeder Jahreszeit ans Wasser. Für den Umgang mit den schuppigen Gesellen gelten feste Regeln. Doch immer wieder ertappt die Fischereiaufsicht Leute, die ohne Genehmigungen angeln. Hannelore Grogorick

An den Fischteichen der Lausitz ist wieder Hochzeit. Die sächsischen Fischwirte sind am Inselteich bei Radibor (Landkreis Bautzen) mit dem Herbstabfischen in die Saison gestartet. In Burg, Lübbenau und Lübben stellt die "Fischzeit im Spreewald" vom 1. Oktober bis zum 11. November den Spreewälder Fisch in den Mittelpunkt - Erlebniskahnfahrten und Fischgenuss locken zusätzlich. Und innerhalb der 4. Peitzer Karpfenwochen unter dem Motto "120 Jahre Peitzer Karpfen" gibt es Vorträge, Führungen durchs Teichgebiet und Kahnfahrten auf dem Hälterteich bis zum "20. großen Fischzug" am letzten Oktoberwochenende.

Fisch ist gesund. Und zwar das ganze Jahr über. So haben die Teichwirte der Region kaum Arbeitspausen. Die Hobbyangler wissen genau, welcher Fisch zu welcher Jahreszeit am besten an den Haken zu bekommen ist.

Und dann gibt es noch die gelegentlichen, unerfahrenen Fischfänger. Die sind nicht einfach bloß ein Ärgernis, sondern manchmal sogar ein Fall für die Polizei. "Fischwilderei ist eine Straftat", macht Henrik Schuhr von der Unteren Fischereibehörde beim Landkreis Spree-Neiße deutlich. Das Fischereirecht an einem Gewässer hat nämlich nur der Eigentümer oder Pächter. Wer seine Angel dort auswerfen möchte, sollte eine gültige Angelkarte in der Tasche haben. Auf ihr ist festgehalten, wo der Erwerber was und in welchem Zeitraum aus dem Wasser holen darf. Wer Raubfischen an die Kiemen will, der muss mindestens 14 Jahre alt sein und benötigt zudem einen Fischereischein, für den er aber eine Anglerprüfung bestanden haben muss.

Zudem ist eine Fischereiabgabe nötig, die an das Land abgeführt wird und die Fischerei fördern soll. Sie beträgt für ein Jahr 2,50 Euro für Jugendliche bis 18 Jahre und zwölf Euro für Erwachsene.

"Die Fischereiaufsicht ertappt immer wieder Leute, die vor allem an großen Seen ohne Genehmigungen angeln", sagt Henrik Schuhr. Vertreter von Ordnungsamt, Forst und Polizei würden regelmäßig kontrollieren, ob das Fischereirecht der Eigentümer verletzt wird. Als Straftaten zählen auch, wenn der Angler die Vorgaben in seiner Angelkarte überschreitet und beispielsweise drei statt festgelegter zwei Angeln ins Wasser hält oder mehr als die genehmigte Anzahl Fische in seiner Box nach Hause tragen will. Ebenso gilt die Verwendung lebender Köder als Straftat.

"Im ersten Halbjahr 2017 haben wir zehn Straftaten registriert. Dazu kamen 22 Ordnungswidrigkeiten, zum Beispiel für ignorierte Naturschutzeinschränkungen", sagt Henrik Schuhr weiter.

Knapp 40 Personen zähle die Fischereiaufsicht Spree-Neiße. "Die sind aber nicht die harten Jungs. Sie geben auch mal mit Diplomatie Hinweise und mündliche Verwarnungen", sagt Schuhr. Fischwilderer bereichern sich an einem Vorkommen, das oftmals in mühevoller Arbeit von Eigentümern oder Pächtern der Gewässer und mithilfe reger Anglervereine erst geschaffen wurde. Schuhr nennt den Gräbendorfer See als ein Beispiel. Dieses Bergbaurestloch füllte sich mit Oberflächenwasser. Pumpen haben beim Befüllen auch Jungfische mit angesaugt, Enten brachten am Gefieder manch Fischei mit. Das LMBV-Gewässer steht im Blick wissenschaftlicher Institute, die Fische einsetzten und in einer Grundlagenforschung erkundeten, wie sich die Fischfauna entwickelt und ob sie der Umwelt angepasst ist.

Da der Gräbendorfer See durch das Greifenhainer Fließ mit dem Südumfluter in Burg verbunden ist, steht ein Fokus auch darauf, dass keine Fischkrankheiten in den Spreewald eingeschleppt werden. Etwa 20 verschiedene Fischarten sollen sich gesund entwickeln.

Ein großer Artenreichtum zeichnet auch den Senftenberger See aus. "Von Aal bis Zander", umreißt Gunther Sell die Vorkommensvielfalt in seinem See. Er hat die Fischereirechte gepachtet und bietet seinen Fang frisch, geräuchert oder filetiert den Kunden an.

Seitdem der See ein schiffbares Gewässer ist, hat er mit Fischwilderei weniger Probleme. "Die Wasserschutzpolizei ist für uns ein guter Partner. Sie leistet eine zuverlässige Arbeit", sagt Sell. Erst kürzlich ertappte sie einen Fischwilderer, der vom Boot aus angelte. Das aber ist auf dem Senftenberger See strikt untersagt. Das Angeln hier ist nur vom Ufer aus erlaubt. Für die etwa 1200 Hektar große See-Fläche werden jährlich gut 250 Angelkarten an Hobbyangler ausgegeben. Das Angeln ist lediglich auf etwa 1,7 Kilometern Länge und damit an etwa 4,5 Prozent der Uferbereiche erlaubt.

"Ich habe mit meinem Fischbetrieb genug zu tun. Wenn ich den See für Angelboote freigebe, dann bin ich auch für die Sicherheit der Angler verantwortlich", sagt Fischer Sell. Das aber könne er nicht leisten. Im Tagebaugewässer könne es jederzeit Rutschungen geben, es fordere großen Sachverstand, wo man aus einem Boot aussteigen dürfe. Auch würden Gelegenheitsfischer kaum die Seezeichen deuten können und Naturschutzgebiete achten.

Anfragen rund um das Thema Angelmöglichkeiten im Lausitzer Seenland werden des Öfteren von Gästen an den Tourismusverband Lausitzer Seenland und seine beiden Touristinformationen Senftenberg und Hoyerswerda gestellt. Das sagt Katja Wersch vom Tourismusverband Lausitzer Seenland auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Laut Badeordnung vom Senftenberger See sei das Angeln an den Badestränden in der Zeit vom 15. Oktober bis 15. April gestattet. Angelscheine gibt es bei der Fischerei Sell oder bei Eckes Anglertreff.

Geangelt werden darf im Lausitzer Seenland an einigen Gewässern. Gestattet ist es am und auf dem Dreiweiberner See, am Badeteich Groß Düben (Waldsee), am Ufer des Bärwalder Sees, am Gräbendorfer See vom Ufer und vom Boot, am Grünewalder Lauch und an und auf der Talsperre Spremberg. Hier ist im Winter sogar das Eisangeln gestattet.

Außerdem, so Katja Wersch weiter, kann am Angelteich Maxemilian in Klitten und an den Müllerteichen am Schloss Uhyst geangelt werden. DAFV-Gewässer sind der Dreiweiberner See, der Bärwalder See, der Waldsee Groß Düben, der Gräbendorfer See und die Talsperre Spremberg.

Zu Fischereischein und Fischereiabgabe braucht jeder Angler für jedes Gewässer, in dem er angeln möchte, eine Genehmigung. Diese bekommt man laut Katja Wersch meist in Form einer Angelkarte.

Für Gewässer, die im Deutschen Angelfischerverband (DAFV) gelistet sind, sei eine solche Angelkarte nicht notwendig, vorausgesetzt man ist Mitglied in den jeweiligen Angelverbänden des Bundeslandes und somit Mitglied des DAFV. Bei Nicht-DAFV-Gewässern sei eine (Gast-)Angelkarte aber auf jeden Fall erforderlich.

An den brandenburgischen Seen, wie Gräbendorfer See und Talsperre Spremberg zahlen Gäste, die keine Fischereierlaubnis besitzen, die Fischereiabgabe mit der Angelkarte und können somit auch ohne eigenen Fischereischein angeln, allerdings nur auf Friedfische.

Zehntausende Verbandsmitglieder

Der Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) zählt nach Angaben auf seiner Webseite in Brandenburg und in Berlin rund 76 000 Mitglieder in 1400 Vereinen. Der Mitgliedsbeitrag ist von Verein zu Verein verschieden, durchschnittlich beträgt er 85 Euro für ein erwachsenes Mitglied und 20 Euro für Kinder und Jugendliche pro Jahr.

Der Verband nimmt als fischereilicher Bewirtschafter auf rund 13 Prozent der Wasserfläche oder auf 17 Prozent der fischereilich derzeit nutzbaren Gewässerfläche des Landes Brandenburg die Hegepflicht wahr. Er verfügt nach eigenen Angaben über 14 500 Hektar fischreiche Gewässer mit 20 Hauptfischarten. Vereinsmitglieder können die Gewässer freizügig beangeln. Als Berechtigung gilt das Mitgliedsbuch.

23 Flüsse beziehungsweise Bäche mit einer Gesamtlänge von 300 Kilometern sind Salmonidengewässer. Salmoniden sind Lachs- und Forellenfische. Hier fühlen sich Äsche, Bach- und Regenbogenforelle wohl. Bekannte Salmonidengewässer sind Nuthe, Nieplitz, Dahme und die Stepenitz. Die Salmonidenberechtigung kostet pro Jahr 50 Euro.

Außerdem hat der Verband mit Berufsfischern vereinbart, dass sie den Mitgliedern Jahresangelkarten für ihre Gewässer zu verbilligten Preisen verkaufen oder das Mitgliedsbuch als Angelberechtigung gilt. Das sind noch einmal rund 16 000 Hektar bewirtschaftete Fischereigewässer.

Dem Landesanglerverband Sachsen gehörten vor zwei Jahren rund 40 500 Mitglieder an, die in 620 Vereinen und drei Regionalverbänden organisiert waren.

Mehr Infos unter: www.l andesanglerverband-bdg.de ; www.landesanglerverband-sachsen.de