Eine Milliarde Euro - das Angebot war einfach zu verlockend. Eindringlich verlangten die Länder in den vergangenen Monaten mehr Hilfe vom Bund, damit die Kommunen die wachsende Zahl an Asylbewerbern vernünftig versorgen kann. Eigentlich hatten sie sich langfristige Finanzzusagen und eine dauerhafte Übernahme von Gesundheitskosten gewünscht. Doch der Bund legte etwas anderes auf den Tisch. Die Offerte: viel Geld über einen überschaubaren Zeitraum. Die Länder schlugen ein. Die Diskussion um die Kosten für Flüchtlinge ist durch die überraschende Einigung aber nicht beendet.

Seit Monaten klagen Länder und Kommunen, dass sie mit den vielen Asylbewerbern nicht mehr fertig werden. Rund 200 000 Asylanträge werden bis zum Jahresende erwartet. Für die Versorgung dieser Menschen sind vor allem die Kommunen zuständig. Einen Teil ihrer Auslagen bekommen sie von den Ländern erstattet. Der Bund musste bislang nur für die Bearbeitung der Asylanträge zahlen.

Die Kommunen fühlten sich alleingelassen. Einige Städte und Gemeinden mussten zuletzt Zelte und Container aufstellen, um Flüchtlinge unterzubringen. Die Menschen, die aus dem Elend kommen, brauchen aber nicht nur ein Bett, sondern auch Zugang zu Schulen, zu Ärzten, zu sozialer Beratung. Das kostet Geld.

Über Wochen feilschten Bund und Länder in verschiedenen Runden. Am Ende ging alles ganz schnell. Noch am Donnerstag bei der Ministerpräsidentenkonferenz schien eine Einigung weit weg, als der Vorschlag auf keine Gegenliebe stieß, ungenutzte Mittel aus dem Fluthilfefonds für die Flüchtlinge abzurufen. Doch bis in die Nacht hinein liefen weitere Gespräche. Und noch am Freitagmorgen - kurz vor der Bundesratssitzung - legten einige Länderchefs persönlich letzte Hand an die nächtlichen Formulierungen.

Der Kompromiss sieht so aus: Der Bund gibt Ländern und Kommunen 2015 und 2016 jeweils 500 Millionen Euro für die Versorgung von Flüchtlingen - insgesamt eine Milliarde also. Die Hälfte davon sollen die Länder über einen Zeitraum von 20 Jahren wieder zurückzahlen. Im Gegenzug für die Finanzspritze stimmten die Länder im Bundesrat zwei strittigen Gesetzesvorhaben des Bundes zu: dem Asylbewerberleistungsgesetz und dem Gesetzespaket gegen angeblichen Sozialmissbrauch durch Zuwanderer aus der EU.

Beide Vorhaben hatten in der Länderkammer auf der Kippe gestanden. Vor allem gegen das Asylbewerberleistungsgesetz gab es heftigen Widerstand. Eine Forderung von Länderseite war, Asylbewerber regulär in die gesetzliche Krankenversicherung einzugliedern. Bislang steht ihnen nur eine Behandlung in akuten Fällen zu.

Daran soll sich nun etwas ändern. Im Gespräch ist, das Modell der Gesundheitskarte aus Hamburg und Bremen auf andere Länder auszuweiten. Dort bekommen Asylbewerber eine Krankenkassenkarte und können ohne Extra-Bescheinigung vom Amt zum Arzt gehen. Vollwertige Mitglieder der Krankenkasse sind sie aber nicht. Und sie bekommen auch nur eingeschränkte Leistungen.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl klagt, durch das Ja der Länder zum Asylbewerberleistungsgesetz bleibe es nun erst mal bei der Notversorgung auf unterstem Level. "Für einige Millionen Euro wurde die Menschenwürde von Asylbewerbern verschachert", so Geschäftsführer Günter Burkhardt. Die Länder seien eingeknickt.

Der Bund sperrte sich dagegen, langfristige finanzielle Verpflichtungen einzugehen. Schließlich könnten die Asylzahlen in zwei Jahren schon wieder ganz anders aussehen, lautet das Argument.

Nun ja, sagt etwa Hessens Vize-Regierungschef, Tarek Al-Wazir (Grüne), den Ländern wäre eine dauerhafte und strukturelle Entlastung durch den Bund lieber gewesen. Auch die Pflicht zur Rückzahlung von 500 Millionen Euro sorge nicht für Jubelschreie. Aber das Ergebnis im Ganzen sei "annehmbar". Und: Das Thema bleibe ohnehin auf der Tagesordnung. Der Bund wolle Länder und Kommunen doch wohl kaum ab 2017 "erneut im Regen stehen lassen".