Es war die erste überregionale Veranstaltung in der 16-jährigen Geschichte des Lausitzer Spendenvereins "Wir helfen". Für etwa 300 hilfsbedürftige, in Not geratene, einsame und ältere Menschen aus der Region öffneten sich am Sonntagnachmittag bereits um 14.30 Uhr, eineinhalb Stunden vor Aufführungsbeginn, die Türen zum Cottbuser Staatstheater. Etwa die Hälfte der Theaterplätze war für die "Wir helfen"-Schützlinge reserviert.

Auf dem Spielplan stand die Märchenoper "Hänsel und Gretel" von Komponist Engelbert Humperdinck, ein echter Klassiker in der Vorweihnachtszeit.

Und zur festlichen Stimmung passte auch das Wetter. Dichter Schnee über Cottbus - aber der konnte die neugierigen Theaterbesucher nicht davon abhalten, der Einladung des Vereins zu folgen. Zwei Busse aus Guben, einer aus Senftenberg und einer aus Elsterwerda brachten die "Wir helfen"-Schützlinge aus dem Umland nach Cottbus.

"Wir möchten die Menschen einfach mal aus ihrem Alltag herausholen", sagt "Wir helfen"-Vereinsvorsitzende Sabine Thierfelder, die sich sehr über den großen Erfolg der Weihnachtsaktion freut und nur schweren Herzens einigen wenigen Antragstellern absagen konnte. Rund 350 Anträge auf Eintrittskarten seien insgesamt eingegangen, erzählt sie.

Für die zahlreichen Kinder, die mit ihren Eltern gekommen waren, gab es in der Theatertischlerei Lebkuchenherzen und Getränke. Den Weg dorthin, durch verschlungene Theatergänge, wiesen ihnen Vereinsmitglieder.

Einige der jungen Besucher hatten sogar bereits Theatererfahrung - hatten das Cottbuser Dreisparten-Haus schon mit der Schule besucht und sich ein Stück angesehen. "Aber daran kann ich mich nicht mehr richtig erinnern", erzählt die achtjährige Antonia, die gemeinsam mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern Jeremy und Leonie aus Bad Muskau gekommen war. "Ehrlich gesagt, ich war noch nie im Staatstheater", erzählt Antonias Mutter Peggy Jursch. "Ich war richtig gespannt, wie das von innen aussieht." Über das Cottbuser Ronald-McDonald-Haus hatte die Familie Eintrittskarten für die RUNDSCHAU-Weihnachtsaktion vom Verein erhalten.

Für Ingo Neumann, der mit der elfjährigen Emma Hermine und der dreijährigen Nelda Martha gekommen war, war der Besuch im Theater besonders spannend. Als Lehrling hatte er Mitte der Achtzigerjahre an der großen Renovierung des Hauses mitgearbeitet. Seitdem war er nicht mehr im Staatstheater gewesen. "Das ist schon sehr anders als damals", sagt er.

Für die älteren "Wir helfen"-Schützlinge gab es im ersten Stock Kaffee und Kuchen bei Klaviermusik. "Das ist ein sehr schönes Haus", sagt Dorothea Wonneberger aus Bärenklau, deren letzter Besuch im Staatstheater auch schon sehr lange her sei. Gemeinsam mit Bekannten und Freunden war sie im Bus aus Guben angereist.

Richtig spannend wurde der Nachmittag für die 65 Besucher aus Elsterwerda. Der dichte Schnee und die glatten Straßen hatten dafür gesorgt, dass der prall gefüllte Bus erst wenige Minuten vor Aufführungsbeginn vorfuhr.

Aber auch sie schafften es bei aller Hektik dann doch noch rechtzeitig auf ihre Plätze und verbrachten, gemeinsam mit den übrigen "Wir helfen"-Schützlingen und weiteren knapp 300 Besuchern, eine märchenhaft vorweihnachtliche Zeit im Cottbuser Staatstheater.