Auch mangelnde Absprache trägt dazu bei.

Sage und schreibe 316 Stellen sind in den 28 EU-Staaten für die Arbeit der Küstenwachen zuständig, wie eine Studie des Beratungsunternehmens ICF International für die Brüsseler Kommission festgestellt hat. Allein auf dem Mittelmeer, wo die mit Abstand größte Herausforderung wartet, existieren rund 50 unterschiedliche Zuständigkeiten. Zusammenarbeit gibt es dem Bericht zufolge wohl, aber in 70 verschiedenen Kooperationsstrukturen und über 41 zwischenstaatlichen Abkommen.

Die Erkenntnis, dass ein zersplitterter Grenzschutz nicht so recht zum einheitlichen Schengenraum passt, ist fast so alt wie die innereuropäische Reisefreiheit selbst. So wurde 2004 die EU-Grenzschutzagentur gegründet, als klar wurde, dass die Mitgliedstaaten die Außengrenzen der EU nicht so einheitlich und erfolgreich sichern, wie das auf dem Reißbrett des europäischen Rechts vorgesehen worden war.

Die in Warschau angesiedelte Behörde übernahm anfänglich ausschließlich koordinatorische Aufgaben, mit den ersten großen Wellen von Flüchtlingen, die in Europa anlandeten, wurde ihr Mandat immer wieder erweitert. Frontex organisiert gemeinsame Abschiebeflüge, führt eigene Operationen im Mittelmeer durch oder schickt "schnelle Interventionsteams" an europäische Grenzabschnitte, wo es brennt. All dies geschieht jedoch fast ohne eigenes Gerät und Personal. Nun jedoch ist der Handlungsdruck in der Flüchtlingskrise so gewachsen, dass beim EU-Gipfel am heutigen Donnerstag tatsächlich eine Art europäischer Küstenwache aus der Taufe gehoben werden könnte, vielleicht sogar ein übergreifender europä ischer Grenzschutz.

Von einer "schrittweisen Einrichtung eines integrierten Systems zum Management der Außengrenzen" ist im Entwurf der Abschlusserklärung zu lesen, der der RUNDSCHAU vorliegt. Im Umfeld von Ratspräsident Donald Tusk wird bestätigt, dass er "diskutieren lassen will, wie groß der Ehrgeiz der Mitgliedstaaten bei einem gemeinsamen Grenzschutzsystem ist". Geplant ist, der EU-Kommission, die bis Dezember einen Gesetzesvorschlag unterbreiten will, eine Richtschnur dafür vorzugeben. Die Bundesregierung tendiert offenbar zur großen Lösung: "Es geht um einen Grundsatzbeschluss für einen eigenen Küstenschutz zusätzlich zu Frontex", sagt ein EU-Diplomat, "und ein paar eigene Schiffe wird man dafür schon brauchen, damit es etwas bringt".