Dass sie in ihrer Kindheit und Jugend einer Gehirnwäsche unterzogen worden war, merkte sie erst viel später. Jetzt hat die heute in Berlin lebende chinesische Übersetzerin und Dolmetscherin Zhao Jie ihre beeindruckenden Erinnerungen vorgelegt. "Kleiner Phönix. Eine Kindheit unter Mao" heißt ihr berührender Rückblick. Zhao Jie wurde schon als Kind schuldig. Die linientreue Musterschülerin denunzierte ihre Lehrerin.

Der Moment der Erkenntnis kam, als sie als Erntehelferin aufs Land geschickt wurde. Das Elend der Bauern war für sie ein Schock und ließ sie am Kommunismus zweifeln. Das Massaker am Tian'anmen-Platz war ein weiterer Wendepunkt. Zhao Jies Memoiren geben einen seltenen Einblick in ein bis heute rätselhaftes und beunruhigendes Kapitel chinesischer Geschichte.

Zhao Jie: Kleiner Phönix: Eine Kindheit unter Mao, Blessing Verlag720 Seiten, 24,99 Euro.