"Es ist nicht akzeptabel, wegzuschauen und Angriffe, die man beobachtet, einfach zu ignorieren", sagte er am Montag.

Am Nachmittag wurde in der Hauptstadt des Opfers Jonny K. gedacht. Eine Gedenkplatte ist dazu in den Boden eingelassen worden. Jonny K. starb am 14. Oktober 2012 nach Tritten und Schlägen an Gehirnblutungen. Seine Schwester Tina hat die Gedenkstunde organisiert. Die Prügelattacke gegen den 20-Jährigen und einen Freund hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Sechs junge Männer wurden zu Haftstrafen verurteilt, die aber noch nicht rechtskräftig sind. Alle haben laut Landgericht Revision gegen ihre Verurteilung eingelegt. Fünf von ihnen sind mit Auflagen auf freiem Fuß.

"Dass die Fünf draußen rumtanzen, ist ein komisches Gefühl", sagte Tina K. Sie sei froh, dass sie ihnen noch nicht wieder begegnet ist. Sie kam zu jedem Prozesstermin und sah den Schlägern ins Gesicht.

Wowereit sagte: "Der Tod von Jonny K. ist eine Mahnung dafür, dass Gewalt niemals ein Weg sein darf. Gewalt ist keine Lösung, sondern Gewalt verschlimmert Konflikte und sorgt immer wieder für unendliches Leid."

Innensenator Frank Henkel erklärte zu dem Überfall vor einem Jahr: "Wenn aus dieser dunklen Stunde überhaupt etwas Gutes erwachsen konnte, dann die Tatsache, dass sie eine dringend notwendige und breite Debatte über Werte und Gewalt ausgelöst hat." Jetzt kämen mehr junge Menschen zu Wort, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen, so der CDU-Politiker.

Das ist auch das Anliegen von Tina K. und ihres neu gegründeten Vereins I am Jonny. Sie engagiert sich seit dem Tod ihres Bruders gegen Gewalt, wirbt in Schulen für Zivilcourage und sammelt Spenden bei Prominenten. Der Verein versteht sich als Anlaufstelle für Veränderung. "Wir müssen jungen Menschen eine Perspektive geben", sagte die 29-Jährige. Ihr Bruder sei immer bei ihr. "Seine Zivilcourage kostete ihn das Leben."