Auch direkt vor der Schule, an der Tim K. am Mittwoch seine Bluttat mit 16 Toten begonnen hatte, legen die Menschen immer mehr Blumen nieder und zünden Kerzen an. Eindrücke von einem Tag in der Stadt, die immer noch im Schockzustand ist.10.40 Uhr in einer Seitenstraße: Eine Briefträgerin ruft einer Bekannten über die Straße zu: "Das geht mir nicht aus dem Kopf, was da passiert ist."11 Uhr im Rathaus: Oberbürgermeister Bernhard Fritz steht im Foyer und wartet auf Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Der trägt sich als Erster in das Kondolenzbuch ein. "Wir sind in unseren Gedanken, die von den unfassbaren Ereignissen betroffen sind", liest Fritz vor.11.15 Uhr: Langsam tritt Oettinger ans Pult. Er wirkt erschüttert. Als er vorliest, dass jede Antwort fehle, ruft eine Frau, die Gottesfurcht müsse zurückgebracht werden. 11.55 Uhr: Ein frisch vermähltes Ehepaar kommt aus dem Standesamt. Die Braut wirft einen Blick in Richtung Kondolenzbuch. Glücklich sieht das Paar nicht aus. 12.45 Uhr: Vor der Realschule hat die Polizei mit dem Absperrband eine Art Trauerzone vor den Blumen, Kerzen und Botschaften geschaffen.13 Uhr gegenüber der Schule: Annette Kull vom Deutschen Roten Kreuz und Hartmut Schröppel von der Polizei berichten über die Arbeit in der Betreuungsstelle. "Manchen Schülern wäre es recht, gleich wieder in die Schule zu gehen. Andere können noch nicht einmal daran denken, das Gebäude zu betreten." 13.45 Uhr an einer Bushaltestelle: Drei Freunde haben sich vor dem Regen unter das Dach geflüchtet. Zwei von ihnen haben Teddybären in der Hand. "Die haben wir in der Stadthalle bekommen." Einer von ihnen hat seinen Teddy nach einem getöteten Schüler benannt. "So denke ich an ihn." 14.15 Uhr vor der Realschule: Ein Trauerzug von der örtlichen Moschee ist eingetroffen. Imam Yilmaz Ünal spricht ein islamisches Gebet. "Das war für uns gar keine Frage, dass wir dieses Zeichen setzen", sagt er. Sie legen einen Kranz mit Rosen nieder.15.05 Uhr am Markt: Sirenengeheul. Ein Feuerwehrwagen rast vorbei. Die Passanten weichen zurück. Auf ihren Gesichtern ist Panik abzulesen. Eine Frau gibt Entwarnung: "Es ist nichts Schlimmes. Es brennt nur in einem Laden."