Kein Zweifel: Die Herausforderungen sind immens. Doch die Region hat Potenzial. Und sie hat kluge, engagierte Köpfe. Diese Feststellungen durchziehen die gesamte Debatte zu Lausitz 2030. Was steckt dahinter?

Dass wir uns damit auseinandersetzen, wie die Zukunftsfragen beantwortet werden können, dafür hat die RUNDSCHAU einen begrüßenswerten Startschuss gegeben. Begeben wir uns in die Startlöcher - wohl wissend, dass wir alle schon unterwegs sind.

Welche Perspektiven gibt es? Als Energieregion Lausitz verstehen wir uns als große Klammer für den Süden Brandenburgs und zugleich als Brückenpfeiler zu den Partnern der sächsischen Lausitz. Dabei ist es unser Kernanliegen, mögliche Perspektiven zu identifizieren, zu diskutieren und mit allen maßgeblichen Akteuren der Region zu entwickeln.

Als im Jahr 2012 der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus, Wolfgang Krüger, den Anstoß für einen Zukunftsdialog gab, haben wir die Initiative ergriffen und von der Prognos AG eine Kompetenzfeldanalyse erarbeiten lassen. Viele Autoren auch dieser Serie wurden von den Prognos-Experten eingebunden. Mit dieser Analyse liegt eine Studie vor, die einerseits Optimismus rechtfertigt andererseits auch Handlungsbedarf deutlich aufzeigt. Angesprochen sind wir alle, Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, aus Verbänden und Politik.

Wir können selbstbewusst aus den Startlöchern kommen. Wir sind gut vorbereitet und wissen um unsere Leistungsfähigkeit, wir wissen auch um unsere Stärken und Schwächen.

Die Energiewirtschaft ist die prägende Branche der Lausitz, die wir aus gutem Grund "Energieregion" nennen. Gleichwohl steht genau diese Branche im Rahmen der Energiewende mit europäischen und nationalen Vorgaben vor größten Herausforderungen. Kennzeichen der Region ist eine hohe Einspeisung sowohl fossiler als auch erneuerbarer Energien. Eine Vielzahl an Forschungsaktivitäten bietet die Chance, eine zentrale Rolle in Forschung und Anwendung einzunehmen. Manche reden an dieser Stelle vom Reallabor, das wir zweifelsohne sind.

In diesem Labor werden Kraftwerkstechnologien optimiert. Netzausbau und -management mitsamt der Schulungsmöglichkeiten für das Personal der Netzbetreiber sind ebenso in diesem Labor beheimatet wie die Arbeit an Speichertechnologien, ob Wasserstoffelektrolyse, Methanisierung oder intelligente Elektrofahrzeuge. Selbst die Nutzung von Synergien zwischen Energiewirtschaft und Chemischer Industrie ist als Treiber künftiger Entwicklungen im Blick.

Wird diese Entwicklung konsequent fortgeschrieben, hat sich die Lausitz bis 2030 als ein überregionales Kompetenzzentrum für Technologien der Energiewende etabliert. Außeruniversitäre Forschung hat seinen Sitz in der Region. Lausitzer Know-how wird weltweit gefragt sein. Regionale Plattformen wie die "zukunfts technologie tage" sind Impulsgeber für technologische Entwicklungen und haben Einfluss auf die politische Steuerung der Energiewende.

Besser werden müssen wir beim Wissens- und Technologietransfer. Die Gründungsintensität in der Region ist gering. Dabei spielen gerade junge innovative Ausgründungen für die strukturelle Entwicklung jeder Region eine gewichtige Rolle. Aktivitäten wie das Zentrum für Gründungsförderung und -forschung "BIEM an der BTU Cottbus-Senftenberg", in dem unternehmerische Persönlichkeiten motiviert, ausgebildet und unterstützt werden, sind beispielgebend.

Gemeinsam muss es gelingen, Anstrengungen zu erhöhen. Dann wird sich die BTU mit ihrer Kombination aus Theorie und Praxis bis 2030 zu einer anerkannten Gründerhochschule entwickeln und die Hochschulen als Impulsgeber die geschäftliche Entwicklung der Unternehmen befördern. Abhängig sind diese auch von der Fachkräftesicherung. Prof. Ragnitz hat dies mit der ifo-Studie herausgearbeitet. Gefragt sind innovative und kooperative Ansätze zum Ausschöpfen der Potenziale. Gezielte Aktivitäten wie Rückholaktionen oder eine Plattform zur regionalen Fachkräfteempfehlung müssen gelebte Praxis werden.

Das sind nur einige, aber wesentliche Aspekte, die wir auf dem Weg zu einer weiterhin erfolgreichen Region zu berücksichtigen haben. Ganz sicher wird es ein Langstreckenlauf. 2030 wird nur ein Etappenziel sein.

Zum Thema:
Dipl.-Ing. Norman Müller ist Geschäftsführer der Energieregion Lausitz-Spreewald GmbH. Die Energieregion ist eine Kooperationsgemeinschaft der Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße und der kreisfreien Stadt Cottbus.

Zum Thema:
Die Serie Lausitz 2030 wird fortgesetzt. Demnächst melden sich Christian Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG, Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall Europe Mining & Generation, sowie Heide Schinowsky von Bündnis 90/Die Grünen.