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Eine "fürsorgliche Wohnung" mit Butler

Dienstantritt in der Laborwohnung: Andreas Kipp macht "M1" mit seinen 60 Quadratmetern vertraut.
Dienstantritt in der Laborwohnung: Andreas Kipp macht "M1" mit seinen 60 Quadratmetern vertraut. FOTO: dpa
Bielefeld. Noch steht "M1" etwas verloren in der Laborwohnung herum. Der Sensorkopf lässt das Blitzlicht-Gewitter der Fotografen stoisch über sich ergehen. Später einmal soll er unverzichtbar für Hilfsbedürftige sein, hoffen Forscher. Matthias Benirschke

N och zwei Jahrzehnte könnte es dauern. Dann könnte der Roboter ein nützlicher, robuster und selbstverständlicher Helfer im Alltag sein, schätzt Prof. Helge Ritter. "Das wird auch davon abhängen, wie viel Geld große Unternehmen in die Entwicklung stecken", sagt der Neuroinformatiker von der Universität Bielefeld.

Neben ihm steht ein etwas unförmiger Roboter auf Rädern und hält einen Apfel. Das ist noch nicht sehr beeindruckend. Doch wenn die Forscher mit ihm fertig sind, soll er ein unverzichtbarer Helfer sein. Bis 2017 stehen den Forschern des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (Citec) dafür 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Der von einer US-Firma hergestellte Roboter "Meka Mobile Manipulator M1" kostet 290 000 Euro und ist das Herzstück des Projekts. Er trat jetzt seinen Dienst in der Laborwohnung des Citec an. In den kommenden Monaten werden Techniker das Appartement mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausstatten, sagt Ritter.

Der Roboter ist wiederum mit dem Steuerungssystem der Wohnung vernetzt. Sensoren sollen auch im Fußboden der Wohnung angebracht werden, um etwa einen am Boden liegenden Menschen zu erkennen und Hilfe zu rufen. "Unsere Forschung zielt auch darauf, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen." Hier eröffnet sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein weites Einsatzfeld: immer mehr pflegebedürftige Menschen und zugleich ein sich rasch verschärfender Mangel an Pflegekräften. Diverse Forschungseinrichtungen und Unternehmen arbeiten an ähnlichen Assistenzrobotern. Die Bielefelder Forscher haben sich aber das ehrgeizige Ziel gesetzt, einen lernenden und flexibel reagierenden Roboter zu entwickeln. "Einzigartig an unserem intelligenten Appartement ist, dass es anhand von echten und spontanen Alltagssituationen trainiert wird", sagt Projektleiterin Prof. Britta Wrede.

In der 60 Quadratmeter großen Laborwohnung wird zwar niemand wohnen. Hier sollen sich aber Studenten und Forscherteams zu Besprechungen treffen und Besucher empfangen werden. Die Wohnung und der Butler sollen dann selbst erkennen, was zu tun ist: Getränke reichen, so viele Stühle bereitstellen wie Besucher da sind, die Heizung etwas runterregeln, lauter sprechen. Der Roboter lernt Deutsch, mithilfe von Logopäden. Er soll Emotionen ausdrücken und verstehen können. Psychologen sollen ihm das beibringen. So könnte er, wenn er einen Befehl nicht versteht, einen fragenden Gesichtsausdruck aufsetzen.

Ein Problem des grenzenlosen Austauschs von Informationen ist der Datenschutz. Totale Erfassung des Alltags ist eben auch totale Überwachung. "Wie bei vielen Technologien gibt es auch hier die ,Dual-use-Problematik‘", räumt Ritter ein. "Der Datenaustausch muss viel transparenter werden. Und vielleicht müssen wir auf manche technisch machbare Bequemlichkeit verzichten, um unsere Daten zu schützen." Er hoffe auf die Generation, die mit der digitalen Welt aufwachse. "Wir müssen alle lernen, damit umzugehen." Für Ritter ist es auf jeden Fall eine Technologie mit ungeheurem Potenzial. "Und irgendwann werden wir uns im Alltag entscheiden müssen: Zweitwagen oder Roboter-Butler ."