Für den Drogenhandel in Cottbus, vor allem mit der Modedroge Crystal Meth, ist es ein herber Schlag. Die 34-jährige Cottbuserin soll nach Auskunft der Staatsanwaltschaft weite Teile des lokalen Marktes kontrolliert haben. Zwischenhändler und Süchtige bezogen von ihr den Stoff, der mittels Kurieren aus Tschechien geholt wurde.

Bei einer dieser Übergaben an die Zwischenhändler ist die 34-Jährige der Polizei ins Netz gegangen. Am Dienstagabend wurden sie und ein 29-Jähriger in ihrer Wohnung in Bahnhofsnähe "auf frischer Tat ertappt", wie Staatsanwalt Olaf Jurtz am Donnerstag bestätigte. Allein dieser eine Dealer soll rund 40 Süchtige in Cottbus versorgt haben.

40 Gramm Crystal hat die Verdächtige laut Staatsanwaltschaft an den Dealer übergeben. Das reicht aus, um sie wegen Drogenhandels "in nicht geringen Mengen" anzuklagen. Darauf stehen mindestens fünf Jahre Gefängnis. Dass bei der Verhaftung eine Schreckschusswaffe gefunden wurde, verschärft das Strafmaß. Weitere 30 Gramm hatte die Frau bei der Verhaftung für den eigenen Bedarf bei sich. Der Straßenwert allein dieser 70 Gramm summiert sich auf rund 6000 Euro.

Ein Netz von Abhängigen

Doch das ist nicht das einzige Vergehen, das der Verdächtigen zur Last gelegt wird. In einem weiteren Ermittlungsverfahren geht es um EC- und Kreditkartenbetrug und Diebstahl im großen Stil. Über 130 Straftaten werden ihr vorgeworfen. "Und das ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt Staatsanwalt Jurtz. Seit Anfang Dezember ist ein Haftbefehl gegen sie in Vorbereitung. Für jede einzelne Tat drohen sechs Monate Gefängnis. In der Summe ist mit deutlich mehr zu rechnen.

Bei Wohnungsdurchsuchungen nach der Festnahme entdeckten die Polizisten unter anderem Hunderte von Kreditkarten, Führerscheinen und Personalausweisen. Die Verdächtige soll damit im Internet, aber auch in zahlreichen Cottbuser Geschäften Waren gekauft haben. Bei mehreren Händlern hatte sie bereits Hausverbot. Wenn die Karten auf männliche Besitzer ausgestellt waren, bediente sie sich Süchtiger, die für sie einkaufen mussten - teure Handys, Elektrogeräte, aber auch Sportschuhe. Unter anderem soll die Frau jede Woche mehrere Nike-Schuhe in Cottbuser Sportgeschäften erworben haben.

Um an bestellte Waren aus dem Internet zu kommen, benutzte sie unter anderem die Wohnungen von Süchtigen, die sie sich mit Crystal gefügig machte. "Sie hat ein Netzwerk von Abhängigkeiten geschaffen. Sie brauchte nur mit dem Finger zu schnippen", so Staatsanwalt Jurtz. Rasen mähen, Chauffeur spielen, auf die sechsjährige Tochter aufpassen oder einen unbequemen Konkurrenten oder säumigen Zahler verprügeln - für alles hatte sie ihre Leute an der Hand.

Post aus Briefkästen geklaut

Auch mit einer eigenen Zweitwohnung beziehungsweise einer leer stehenden Wohnung, an der sie kurzerhand das Klingelschild überklebt hatte, bestellte die Frau Waren aus dem Netz, bezahlt natürlich mit anderer Leute Kreditkarten. An die EC-, Kredit- und anderen Karten kam sie offenbar auf diversen Wegen. Unter anderem soll sie Post geklaut haben - auch dies im großen Stil. In einer der Wohnungen fanden Ermittler zahlreiche Briefe, teils ungeöffnet. Abgesehen hatte sie es vor allem auf Kreditkarten, die von Banken per Post an die Kunden verschickt wurden. Für die lokalen Geldinstitute sei dies ein großes Ärgernis gewesen, berichtet Staatsanwalt Jurtz.

Aber auch vor Taschendiebstahl oder Ähnlichem schreckte die Verdächtige offenbar nicht zurück. Ziel auch hier wie in anderen Fällen: Geldkarten. "Weiterhin konnten hochwertige elektrische Werkzeuge sowie gestohlene Fahrräder sichergestellt werden", teilte die Polizei am Donnerstag mit.

Vorerst sitzt die Frau nun in der JVA Luckau. Auf die Ermittler warte eine "Sysiphosarbeit", so Jurtz. Unmengen an Hinweisen und Funden müssten ausgewertet werden.