An Stelle der bisherigen, eher unspezifischen Förderung unternehmerischer Initiativen wird die gezielte Unterstützung dessen treten, was in der jeweiligen Region als innovativer Wachstumskern definiert wird. Diese allmähliche Neuausrichtung wird in einem Memorandum beschrieben, das die Wirtschafts- und Wissenschaftsminister der neuen Länder zusammen mit der Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan (CDU) unterzeichneten. Kernaussage dieses Textes ist der Abschied vom weiteren Ausbau der Infrastruktur und auch der Verzicht auf Versuche, durch gewerbliche Neuansiedlungen der wirtschaftlichen Schwäche des Ostens zu begegnen. Die neue Förderpolitik setzt auf den Ausbau bereits existierender Potenziale. Wachstumskerne sind demnach in ers ter Linie gekoppelt an die Zusammenarbeit zwischen regionaler Wirtschaft und Forschungseinrichtungen in der jeweiligen Region.
Auf einem Kongress unter dem Titel "Im Osten viel Neues" stellte der frühere Hamburger Bürgermeister und heutige Aufbau-Ost-Experte Klaus von Dohnanyi (SPD) dann Kriterien für den Erfolg solcher Anstrengungen vor. Dohnanyi, der seit Jahren für diese neue Förderpolitik streitet, verlangt eine Konzentration der Maßnahmen auf "verdichtete Ballungsräume" wie Leipzig, Dresden und Berlin. Nur in deren nahem Umfeld, das entsprechend durch gute Verkehrsverbindungen erschlossen sein müsse, sollten Wachstumskerne gefördert werden. Es könne keine gleichmäßige Entwicklung aller Regionen geben. Die weitere Zukunft des ländlichen Raumes habe nichts zu tun mit der Betonung besonderer Entwicklungsschwerpunkte. Das sage er "insbesondere auch an die Brandenburger Adresse". Die Potsdamer Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte zuvor erklärt, sie werde Forderungen nach einer Konzentration des Wissenschaftsangebots auf bestimmte Standorte nicht nachkommen.