Donald Trump war schon immer der größte Fan seiner ältesten Tochter. Vor 13 Jahren fragte er den Talkradio-Moderator Howard Stern, ob er, Stern, eigentlich wisse, wer unbedingt auch in die Liga der schönsten Frauen der Welt gehöre. Im Übrigen habe er dazu beigetragen, "sie zu erschaffen". Die Antwort: Ivanka, sie habe die tollste Figur und obendrein viel Geld im Model-Business verdient.

Im Wahlkampf sprach er davon, dass er vielleicht mit ihr ausgehen würde, wenn Ivanka nicht seine Tochter wäre. Das grundprüde Amerika war ein wenig pikiert, weil es sich ein bisschen nach Inzest anhörte. Nun kann es mit ansehen, wie Ivanka Trump zu einer Schlüsselfigur in einem von den Republikanern beherrschten Amerika wird.

Ein Familienclan schickt sich nach dem Sieg des Patriarchen an, einem ganzen Land seinen Stempel aufzudrücken. Viele Amerikaner fühlen sich bei den Trumps und dem Milieu, in dem sie leben, an die Achtzigerjahre erinnert, jedenfalls optisch. Die Bilder aus dem Trump Tower, Plüsch, Kronleuchter, Blattgold, das ganze überladene Interieur, lassen irgendwie an die Southfork Ranch denken. An den Schauplatz der Fernsehserie "Dallas", die zu Zeiten, als Ronald Reagan im Oval Office regierte, Quotenrekorde feierte.

Viel Einfluss möglich

Geht man nach den ersten Signalen der Übergangsperiode, in der sich der neue Präsident auf sein Amt vorbereitet, lässt sich wohl konstatieren: Schon lange nicht mehr hatte eine Familie so viel Einfluss auf die Politik der USA. Drei Kinder und ein Schwiegersohn des Moguls sitzen im Exekutivkomitee des Teams, das über das Personal entscheidet, das demnächst im Weißen Haus arbeiten wird. Es sind Ivanka, ihr Mann Jared Kushner sowie Donald Trumps Söhne Eric und Donald jr.

Melania Trump, die künftige First Lady, gehört zwar zum engsten Kreis der Familie, aber offenbar nicht zum engsten Kreis der Berater. Schon ihre Wahlkampfauftritte beschränkten sich auf zwei, drei einstudierte Reden. Als sie auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner eine Laudatio auf ihren Mann hielt, stellte sich prompt heraus, dass sie ganze Passagen bei Michelle Obama, der aktuellen First Lady, abgekupfert hatte.

Obwohl sie bereits seit 1996 in den USA lebt, lässt das Englisch der gebürtigen Slowenin noch immer einen starken Akzent erkennen. In einem Interview hat sie einmal gesagt, im Weißen Haus würde sie gern die Rolle Jackie Kennedys spielen. Es klang nach einer Stilikone, die Glamour verbreitet und sich politisch zurückhält. Gut möglich, dass es eher Ivanka ist, die in der öffentlichen Wahrnehmung die wahre First Lady sein wird - die Tochter aus der ersten Ehe Trumps mit Ivana Zelnickova, einer Skiläuferin aus der Tschechoslowakei.

Aufgewachsen im liberalen New York, befreundet mit Chelsea Clinton, gibt die 35-Jährige gern die aufgeklärte Brückenbauerin, die auch ihren Vater bisweilen milde ermahnt.

Jared Kushner, der Ehemann von Donalds Lieblingskind, ist für einen Schlüsselposten im Gespräch. Der Baulöwe, Spross einer jüdischen Unternehmerfamilie aus New Jersey, gilt als Kandidat für das Amt des Stabschefs im Weißen Haus. Schon im Wahlkampf war er der Manager im Hintergrund, still, effizient, organisiert. So aufbrausend sein Schwiegervater sei, so kühl und beherrscht sei Kushner, sagen Insider.

Söhne für den Konzern

Dann wäre da noch die 23 Jahre alte Tiffany, die Tochter aus Trumps zweiter Ehe mit dem Model Marla Maples, bisher eher als Statistin in schöner Kulisse gefragt, immer dann, wenn sich der Clan in Wahlnächten den Fotografen präsentierte.

Schließlich Eric und Donald junior, die Söhne Trumps aus der Verbindung mit Ivana Zelnickova. Beide hat der Senior in das Geschäft mit Hotels und Golfplätzen einbezogen, wie auch Ivanka sind sie Vizepräsidenten der Trump-Organisation. Wenn der Vater erst einmal Präsident ist, sollen sie den Konzern übernehmen, heißt es.

Zum Thema:
Auch wenn der Vergleich hinken mag, Historiker erinnert das Vorgehen Donald Trumps an das Jahr 1960. Damals holte John F. Kennedy nach gewonnener Wahl seinen Bruder Bobby als rechte Hand ins Kabinett, und der weit verzweigte Kennedy-Clan machte seinen Einfluss in Washington geltend.