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Eine BTU-Dissertation und der archäologische Park Baalbek

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Cottbus. So oft kommt Heike Lehmann nicht mehr in ihre Geburtsstadt Cottbus. Köln ist nicht um die Ecke. Am Mittwoch aber gab es für sie einen Pflichttermin. Für ihre Doktorarbeit wurde ihr ein Universitätspreis der BTU verliehen. Christian Taubert

Gerade noch hat Heike Lehmann ein Seminar mit 33 Studenten am Kunsthistorischen Institut der Universität in Köln bestritten. Hier ist die gebürtige Cottbuserin seit 2014 in der Architekturgeschichte unterwegs und lehrt auch in ihrem Spezialgebiet Bauforschung und Denkmalpflege. "Mit dem Doktorabschluss an der BTU habe ich mich beworben. Und Köln hat mir ein attraktives Angebot gemacht", sagt Dr. Heike Lehmann, die da schon auf gepackten Koffern saß.

Denn mit dem Flieger und der Bahn steuerte sie am Mittwoch Cottbus an, um einen Universitätspreis der BTU Cottbus-Senftenberg in Empfang zu nehmen. Für Heike Lehmann war das auch eine Reise zu Eltern und Freunden. Diesmal aber vor allem zu Wissenschaftlern an der Cottbuser Uni, die ihren Weg seit 1995 bis hin zur Dissertation zum Thema "Baalbek in nachantiker Zeit. Untersuchungen zur Stadtbaugeschichte vom 5. bis zum 20. Jahrhundert" begleitet haben.

In der mit dem Prädikat "summa cum laude" bewerteten Arbeit hat sie die nachantike Siedlungsgeschichte der libanesischen Stadt Baalbek akribisch untersucht. Die 41-jährige Wissenschaftlerin gibt darin neue Einblicke in die nach dem Sonnengott Baal benannte Stadt sowie die nachantike Stadtentwicklung im östlichen Mittelmeerraum. Sie hat umgesetzt, was ihr Doktor-Vater, BTU-Professor Klaus Rheidt, so formulierte: "Ein Bauwerk ist wie ein Archiv, das es zu entschlüsseln gilt."

Nach dieser Entschlüsselung könnte in Baalbek auch auf der Grundlage von Heike Lehmanns Arbeit "ein archäologischer Park entstehen": Die Besucher werden durch die Ruinen eines mittelalterlichen Stadtviertels mit engen Gassen, Wohnhäusern und öffentlichen Bauten zum berühmten römischen Jupiterheiligtum geleitet und erfahren, wie das Viertel im Laufe mehrerer Jahrhunderte eine prachtvolle spätantike Säulenstraße überformte. Möglich kann das werden, weil die Wissenschaftlerin auf einer breiten historischen Grundlage Raumnutzungskonzepte dargestellt hat, die die Rekonstruktion von Einzelbauten und die Infrastruktur umfassen. Neben der Aufnahme und Interpretation der traditionellen Stadtviertel hat Heike Lehmann zudem die nachantiken Phasen der archäologischen Grabungsareale untersucht. An wissenschaftlichen Institutionen der Länder des Vorderen Orients hat die publizierte Arbeit hohe Anerkennung erfahren.

Für die diplomierte Stadt- und Regionalplanerin (BTU: 1995-2002), die als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Baugeschichte in Cottbus ihr Spezialgebiet entdeckte, schließt sich hier ein Kreis. Denn mit einem Reisestipendium war sie 2005/06 für das Deutsche Archäologische Institut Berlin im Orient unterwegs. In das Forschungsprojekt zur Baalbeker Stadtgeschichte holte sie ihr damals noch in Berlin tätiger Doktor-Vater. Zudem konnte sie auf die Betreuung durch die Berliner Professorin und Spezialistin für islamische Bauforschung Dorothée Sack zählen.

Als "Luxus und großes Glück" bezeichnet es Heike Lehmann heute, ab 2006 in der internationalen Graduiertenschule an der BTU mit mehreren Doktoranden in der Baugeschichte geforscht zu haben. "Die Jahre an der BTU waren prägend für mich. Sie haben mir Horizonte eröffnet", bedankt sich Heike Lehmann dafür.