Die Vorwürfe drehten sich um eine mögliche Einflussnahme der Industrie auf die geplante EU-Tabakgesetzgebung, für die Dalli als Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar zuständig ist. Dalli selbst weist alle Vorwürfe zurück.

Der Unternehmensberater und ausgebildete Wirtschaftsprüfer blickt auf eine äußerst erfolgreiche Karriere auf seiner Herkunftsinsel Malta zurück. 23 Jahre lang saß der Christdemokrat als Abgeordneter im Parlament, sechsmal war er Minister. Im Kabinett der amtierenden EU-Kommission kümmerte er sich um Regeln für die Tabakwerbung, die Größe von Käfigen für Legehennen oder die Sicherheit von Brustimplantaten. Es ist nicht das erste Mal, dass Dalli nach einer Affäre sein Amt verlässt. 2004 trat er aufgrund von Korruptionsvorwürfen als Außenminister zurück. Dalli kehrte vier Jahre später als Sozialminister an den Kabinettstisch zurück.

Die Olaf-Ermittlungen wurden von einer Beschwerde des schwedischen Tabakherstellers Swedish Match ausgelöst. Ein maltesischer Unternehmer hatte der Firma angeboten, für Geld Kontakte zu Dalli herzustellen, um damit die EU-Tabakgesetzgebung zu beeinflussen, schrieb die EU-Kommission. Dabei sei es insbesondere um eine Art Lutschtabak (den schwedischen Snus) gegangen. Das Angebot wurde nicht in die Tat umgesetzt. "Es kam nicht zu einer Transaktion zwischen der Firma und dem Unternehmen und es wurde kein Geld gezahlt", so die EU-Kommission.

Olaf habe bei der Untersuchung keine Belege für ein Fehlverhalten des EU-Kommissars aufgedeckt. Die EU-Kommission schrieb: "Der Olaf-Bericht hat keinen überzeugenden Beweis für die direkte Beteiligung von Herrn Dalli gefunden, geht aber davon aus, dass er über diese Ereignisse informiert war."

Die Ermittlungen seien inzwischen an die Behörden aus Dallis Heimatland übergeben worden, hieß es in Brüssel.