Er wurde mit Spionage-Vorwürfen konfrontiert, mit der Stasi in Verbindung gebracht und rechtskräftig verurteilt. Auch im Kölner Müllskandal soll er mitgemischt haben, er wurde dafür ebenfalls verurteilt. Nach einem Austritt im Zuge von Vorwürfen im Müllskandal im Juni 2002 sei er inzwischen ("auf Wunsch meines Ortsvereins") wieder SPD-Mitglied. Wienand, dem es gesundheitlich nicht gut geht, wurde gestern 80 Jahre alt.
Zuletzt stand Wienand vor zwei Jahren noch einmal im Kölner Müllkorruptionsprozess als Schlüsselfigur im Rampenlicht. Beim Bau der Kölner Müllverbrennungsanlage kassierte er - nach eigenem Geständnis - rund eine Million Euro Schmiergeld. Wegen Beihilfe zu Untreue wurde er vom Kölner Landgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der parallele Freispruch vom Vorwurf der Bestechung und Steuerhinterziehung wurde danach vom Bundesgerichtshof wieder aufgehoben und sollte neu verhandelt werden. Dieses Verfahren wurde im März 2006 eingestellt. Von Ende der 60er- und bis Mitte der 70er-Jahre galt Wienand als einer der einflussreichsten Macher in Bonn. Für SPD-Fraktionschef Herbert Wehner war er "der Mann für heikle Fälle" - befasst auch mit dem deutsch-deutschen Verhältnis.
Sein Name wurde auch im Zusammenhang mit dem gescheiterten Misstrauensvotum der CDU/CSU im April 1972 gegen SPD-Regierungschef Willy Brandt genannt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Julius Steiner gab an, er habe für Brandt gestimmt und dafür von Wienand 50 000 Mark erhalten. Wienand bestritt dies und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn wurde eingestellt. Erst 20 Jahre später kam beim Spionageprozess gegen Markus Wolf ans Licht, dass Steiner das Geld von der Stasi zugesteckt worden war. Als ein "besonders wichtiger Informant" für die DDR wurde Wienand 1996 nach einem Indizienprozess vom Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Von 1976 bis 1989 soll er SPD-Interna geliefert, aber keine "wirklichen Geheimnisse" verraten haben. Auch eine Million Mark "Agentenlohn" musste er zurückzahlen. Vom Gang ins Gefängnis blieb Wienand aber verschont. Der d amalige Bundespräsident Roman Herzog begnadigte ihn im Frühjahr 1999. Nach vor kurzem von der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin herausgegebenen Dokumenten wurde Wienand Mitte der 70er-Jahre als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi geführt.
Vom Lebensglück war Wienand nicht begünstigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde er als Wehrmachtssoldat in Russland schwer verwundet und verlor ein Bein. Aus sowjetischer Gefangenschaft gelang dem Kriegsbeschädigten die Flucht. Sein Vater war als Sozialdemokrat und Kommunist mehrfach inhaftierter Nazi-Gegner, der zu Kriegsbeginn starb.
Wienand wurde am 15. Dezember 1926 in Lindenpütz bei Rosbach/Sieg geboren. Schon 1947 wurde er SPD-Mitglied zog 1953 als 26-Jähriger erstmals in den Bundestag ein. Nach der Steiner-Affäre wurde Wienand 1974 auf eigenen Wunsch von seinem Amt als Geschäftsführer der SPD-Fraktion entbunden. Im gleichen Jahr folgte auch der Rückzug aus dem Bundestag.