"Der Kontakt von
Sachsen zu
Osmanen war relativ friedlicher Natur, er hatte mehr diplomatischen Charakter."
 Holger Schuckelt, Oberkonservator


Auf gut 750 Quadratmetern ist die "Pracht des Orients" zu erleben, verspricht Rüstkammer-Direktor Dirk Syndram. Eine Kabinettausstellung mit acht besonderen Exponaten im Neuen Grünen Gewölbe gibt bis 8. September bereits einen Vorgeschmack auf die Türkenkammer, eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen osmanischer Kunstwerke des 16. bis 19. Jahr hunderts. Sie enthält rund 800 exotische Waffen, Zelte, Reitzeuge, Fahnen und Gewänder, die als diplomatische Geschenke, Ankäufe oder Beutestücke aus Schlachten gegen die Osmanen zusammengetragen wurden. Gut 600 sollen künftig die Faszination sächsischer Herrscher gegenüber dem Orientalischen erlebbar machen.
Syndram sagt: "Die Kammer bietet eine Entdeckungsreise zu Arabiens Schätzen, ein Eintauchen in 1001 Nacht." Diese teils überlegene Hochkultur habe im 17./18. Jahrhundert auch eine Bedrohung für die europäische Kultur dargestellt. "Es war eine Mischung aus Faszination und Furcht, die Fürsten hierzulande beschlich, eine Faszination des Schreckens." In den Schlachten, an denen auch Sachsens Kurfürsten in Diensten des Kaisers beteiligt waren, wurden militärische Überlegenheit, Disziplin und Kampftechniken, aber auch die prachtvolle und absolutistische Macht der Türken bewundert. "Erste Kontakte mit dem türkischen Reich gab es schon im späten 15. Jahrhundert, als verschiedene Kurfürsten ins Heilige Land pilgerten", erzählt Holger Schuckelt, Oberkonservator der Rüstkammer. "Im 16. Jahrhundert ging es dann mit ersten Geschenken an Kurfürst August richtig los." So gelangten prunkvolle Gegenstände wie Reitzeuge und Waffen an den Dresdner Hof.
"Der Kontakt von Sachsen zu Osmanen war relativ friedlicher Natur, er hatte mehr diplomatischen Charakter", erzählt Schuckelt. Ihre Blütezeit erreichte die Türkenmode unter Kurfürst Friedrich August I., genannt der Starke (1670-1733). "Er war als König von Polen direkter Nachbar des Osmanischen Reiches und unterhielt enge diplomatische Kontakte."
Der lebenslustige Monarch feierte nicht nur orientalische Feste, sondern hatte mit Fatima auch eine türkische Mätresse und zwei Kinder. Mit dem Orient identifizierte er sich noch mehr als er der Chinamode frönte. Bei der Vermählung seines Sohnes 1719 ließ er etwa ein türkisches Serail als Wachsfigurenkabinett mit Harem, Würdenträgern und Eunuchen nachbilden, durch das es Führungen gab "wie bei Madame Tussauds", so Syndram. Dieses Serail habe Augusts Traum vom Hofstaat mit Pracht und Macht entsprochen.
Bei seinen Nationenfesten trat der Regent gern als Sultan verkleidet auf und hielt sich nach dem Vorbild der osmanischen Elitetruppen eine eigene Janitscharengarde. Klingen und Uniformteile sind im künftigen Museum ebenso zu sehen wie Teile eines prächtigen Türkenzeltes.
Restauratoren arbeiten eine der Prunk-Reitgarnituren auf, die teils aus bestickter Seide, Gold, Silber und Emaille bestehen und mit Edelsteinen besetzt sind. Sie wird eines der fünf Holzrösser schmücken, die ein Bildhauer nach Inventarbeschreibungen nachgebildet hat.
Deren Vorbilder waren einst ebenso im Orient für den Dresdner Hof gekauft worden. Die Türkenkammer ist nicht die zahlenmäßig umfangreichste Sammlung, aber in Qualität und Vielfalt herausragend, so Syndram. Vieles sei in den Jahrhunderten verschenkt oder für die Ausstattung von Inszenierungen in der Oper verwandt worden.