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"Ein ,Weiter so' wird es endgültig nicht mehr geben."

Cottbus. Der Wahlsonntag hat auch in der Lausitz Freude ausgelöst, zu Enttäuschung geführt und auch so manches Rätsel aufgegeben. Die RUNDSCHAU hat Promis in der Region gefragt: Ist das Ihr Wunschergebnis, und was muss die neue Regierung anpacken?

Für den Intendanten der Neuen Bühne Senftenberg Manuel Soubeyrand ist die Große Koalition klar abgewählt. Sollte die Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen kommen, "dann hielte ich das für die Parteienlandschaft ganz gut". Für Soubeyrand sind die Parteien inhaltlich doch nicht so weit auseinander, dass eine Koalition nicht möglich wäre. "Für mich ist diese Wahl vor allem aber ein Signal an die demokratischen Parteien, vereint gegen den Rassismus- und Nationalismus-Verein AfD vorzugehen", kennzeichnet der Intendant das für ihn Wichtigste dieser Wahl.

Natürlich denkt der Cottbuser Radweltmeister Maximilian Levy (RSC Cottbus) daran, "dass die stockende Leistungssport-Reform weitergeht und auch von neuen Koalitionspartner unterstützt wird". Mit Blick auf die Energiewirtschaft in der Lausitz hat das Rad-Ass den Eindruck, dass sich Koalitionspartner bei "Jamaika" irgendwie verbiegen müssen. Wie Union und Grüne zusammenkommen wollen, das werde spannend.

Nach dem schlechten Abschneiden der beiden großen Parteien steht ist für den Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger fest: "Ein ,Weiter so' wird es endgültig nicht mehr geben." Es sei offenkundig geworden, dass unter der Berliner Glocke die wahren Probleme der Menschen nicht ausreichend wahrgenommen wurden. Aus der Sicht der Wirtschaft, eines weltoffenen Landes, das weltoffenen Handel betreibt und Exportweltmeister ist, "ist eine erstarkende Rechte ein schlechtes Signal". Aber letztlich bekommt der Bürger das serviert, was er gewählt hat.

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Markus Dröge sendet allen gewählten Abgeordneten herzliche Glück- und Segenswünsche. Im neuen Bundestag mit seinen sechs Fraktionen werde sich nun bewähren müssen, "die Debatten um die besten Lösungen auf demokratische Weise zu führen". Als evangelische Kirche stehe man an der Seite der Menschen, der Obdachlosen wie der Unternehmer, der Kinder wie der Senioren. "Denn wir wissen, dass die Verantwortung für unser Land in der gemeinsamen Verantwortung aller liegt, der Regierenden und der Regierten."

Dass Deutschland höchstwahrscheinlich weiter durch eine Frau regiert wird, "das ist gut so", erklärt Ralf Uschner, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Kreismuseum Bad Liebenwerda. "Frauen denken friedlicher und familiärer." Wenn die SPD nicht mehr in Verantwortung gehen wolle, dann müssten Union, Grünen und FDP in die Pflicht gehen. "Das starke Ergebnis der AfD zeigt, dass bei aller Weltpolitik die Sorgen der Menschen im eigenen Land nicht vergessen werden dürfen. Die Menschen müssen sich zu Hause wohlfühlen", sagt Uschner.

"Dieses Ergebnis ist nicht unerwartet", schätzt Roland Socher, Vorsteher des Wasserverbandes Lausitz (WAL) in Senftenberg ein. "Ich hoffe, dass es überhaupt gelingt, eine vernünftige Regierung zu bilden." Die Ankündigung der SPD, die Oppositionsbank zu wählen, sehe Socher eher negativ. Er gehöre zu den Bürgern, die die Große Koalition bevorzugen. Auch ein Wechsel würde wenig verändern in Deutschland. Denn wir werden schon längst nicht mehr von Regierungen regiert, sondern von Gerichten und Verwaltungen.

Zusammengestellt von

Christian Taubert