Dann dreht er das Echoston genannte Instrument um und presst die Lippen schließlich auf ein zweites Mundstück direkt neben dem Schalltrichter, der ihm beim Musizieren nun direkt ins Gesicht ragt. Spätestens jetzt hat Berol Kaiser-Reka die Lacher auf seiner Seite.
Der 76-jährige Brandenburger kann zweifellos mit seinem Publikum umgehen. Dass er seine Kunst versteht, ist bei allem Slapstick schnell zu merken. Entstammt er doch einer echten Varieté-Künstlerfamilie, ist quasi in Hotelzimmern und Künstlergarderoben aufgewachsen. Vater Paul Kaiser-Reka war in den 20er und 30er Jahren ein international gefeierter Musik-Artist. Ausschnitte aus dessen Nachlass sind in der Ausstellung des Artistenmuseums Klosterfelde zu sehen.
Vom Vater übernahm Sohn Berol auch die einzigartige Sammlung historischer und kurioser Musikinstrumente. Mehr als 100 von ihnen, darunter Claviacord oder Serpent, aber auch Luftpumpe und Gartenschlauch, kann er melodische Töne entlocken.
Einige kuriose Exemplare hat Kaiser-Reka selbst gebaut, beispielsweise eine One-String-Fiedel - ein mit Saiten bespanntes Stuhlbein, kombiniert mit einem Grammophontrichter. Jahrzehntelang erfreute er damit das Publikum in Frankfurt (Oder), der Stadt vermachte er zudem 252 Stücke aus der Instrumentensammlung. Mitte der 90er-Jahre kehrte er als Rentner mit nur noch 70 eigenen Instrumenten im Gepäck in seine Heimat nach Brandenburg/Havel zurück.

Kostproben des Könnens
In einem kleinen "Musentempel" bot Kaiser-Reka in den vergangenen vier Jahren an jedem Sonntag Kostproben seines Könnens, wechselte dabei in rasantem Tempo die vorgeführten Musik-Raritäten. Nun hat er Geigenbogen, Glasharmonika und Lyra-Flügel endgültig an den Nagel gehängt. Er sei es leid, für Publikum den Musik-Clown zu spielen, bekennt der 76-Jährige. "Ich will ja nicht enden, wie Johannes Heesters. Applaus aus Mitleid brauche ich nicht", sagt der Künstler mit der markanten, überdimensionalen Hornbrille selbstbewusst.
Ganz von der Kunst kann Kaiser-Reka aber doch nicht lassen. Der Virtuose hat die Lebens- und Bühnengeschichte seiner Familie aufgeschrieben und auf eigene Kosten jetzt unter dem Titel "Das Märchen von der verhunzten Kunst" herausgebracht. "Einen Verlag habe ich vorab trotz aller Bemühungen nicht gefunden, jetzt wollen gleich zwei die zweite Auflage herausbringen", freut er sich.
Auch seine Zeit in Frankfurt (Oder) findet sich in dem 288 Seiten starken Buch wieder. Hatte Kaiser-Reka doch immer von einem Instrumenten-Museum geträumt, dass er mit Hilfe der Stadt aufbauen wollte. Unter diesen Vorzeichen war er einst von der Havel an die Oder gekommen und hatte den größten Teil der Sammlung seines Vaters an die Kommune verkauft. Doch lediglich in einem kleinen Musikkabinett hatte der Künstler sein Können zu Gehör bringen können. Als die Stelle des städtischen "Musikvorführers" schließlich aus Kostengründen gestrichen und ein kleiner Vorführungsraum geschlossen worden war, kehrte Kaiser-Reka Frankfurt den Rücken und kehrte enttäuscht nach Brandenburg/Havel zurück.

Ausstellung und Vorführungen
Heute lagern die meisten wertvollen Instrumente in den Magazinen des Museums "Viadrina" in Frankfurt (Oder). Dabei zählen zu der 500 musikalische Raritäten umfassenden städtischen Sammlung nicht nur die Reka-Stücke. Bereits Anfang der 60er-Jahre hatte der Organist Hans Stein die ungewöhnliche Kollektion an der Oder begründet. Etwa 100 weitere Stücke hatte die Stadt 1988 von verschiedenen Regional- und Heimatmuseen der DDR erhalten. Für das kommende Frühjahr bereitet das Museum "Viadrina" nun eine Ausstellung inklusive Vorführungen "Mechanischer Musikinstrumente und Kuriositäten" vor.