Bevor er 1953 als Betrug entlarvt wurde, hatte er jahrzehntelang die Wissenschaft beeinflusst. Bis heute weiß niemand genau, wer hinter dem dreisten Schwindel steckt. Seit 100 Jahren beschäftigen sich nun Forscher mit dem Fund.

Die Geschichte ist nicht nur wegen der faszinierenden Frage, wer dahintersteckte, auch heute noch relevant", schreibt Chris Stringer in einem Kommentar in der neuesten Ausgabe der britischen Zeitschrift "Nature" (Band 492, Nr. 7428). Zusammen mit insgesamt 14 weiteren Forschern des Londoner Natural History Museums und verschiedener Universitäten untersucht er die Funde von damals derzeit mit neuesten Techniken.

Weltweite Wellen schlug der Fall vom 18. Dezember 1912 an. Damals stellte Arthur Smith Woodward vom britischen Naturkunde-Museum den Fund bei einem Treffen der Geological Society vor. Der Rechtsanwalt und Hobby-Archäologe Charles Dawson hatte ihn kontaktiert und ihm von seiner angeblichen Wunder-Entdeckung im Dörfchen Piltdown in der Grafschaft Sussex berichtet: Teile eines menschlichen Schädels mit dazugehörigem Kieferknochen, geschätzt um die 500 000 Jahre alt.

Das Sensationelle daran: Die Größe des Schädels deutete auf ein vergleichsweise hoch entwickeltes menschliches Gehirn hin. Der Kieferknochen hingegen erinnerte eher an einen Affen mit menschlich aussehenden Zähnen.

Der Fund wurde vor allem als Beweis für die Theorie angesehen, dass die Entwicklung des Gehirns zuerst kam und die Ausbildung anderer Merkmale des modernen Menschen antrieb. Mittlerweile geht man davon aus, dass die Zähne und der Kiefer menschlicher wurden, bevor sich das Gehirn entwickelte.

Heute weiß die Wissenschaft über den "Sensationsfund": Der Kieferknochen stammte vermutlich von einem Orang-Utan, die menschlichen Schädelknochen sind höchstens 1000 Jahre alt. Das Ganze wurde wohl irgendwo zusammengeklaut und eingefärbt. Mit größter Wahrscheinlichkeit steckt Dawson hinter der Fälschung.