Drei Kilometer südwestlich von Grünewalde, zwischen Lauchhammer-West (Oberspreewald-Lausitz) und Plessa (Elbe-Elster), liegt das Naturschutzgebiet Seewald. Nur Vogelgezwitscher und das Rauschen der Birken und Stieleichen ist zu hören. Eine 225 Hektar große Idylle für Rotmilan, verschiedene Entenarten, Graureiher und Höckerschwan. Den größten Teil der Fläche bedecken Moorböden, in deren sumpfiger Mitte die Brutplätze einiger Kra nichpaare liegen. "Dieses Gebiet gilt es zu schützen", sagt Klaus Uhl, Vorstandsmitglied des Naturschutzbundes (Nabu), Regionalverband Senftenberg.
Schützen will er das Gebiet vor dem Bau der Gaspipeline Opal (Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung) der Gasprom-Tochtergesellschaft Wingas. Diese nämlich plant eine Leitung von 480 Kilometern Länge durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis Sachsen.
Weil die ursprünglich vorgesehene Trasse mitten durch das Naturschutzgebiet Seewald führte, hat Klaus Uhl gleich zwei Stellungnahmen ans Planungsbüro abgegeben. Einmal für den Nabu und einmal für den Kra nichschutz Deutschland, für den er seit mehr als 30 Jahren aktiv ist. "Inhaltlich haben die beiden Stellungnahmen dasselbe ausgedrückt, nämlich, dass die geplante Trasse das Naturschutzgebiet teilt und ich das nicht für gut heißen kann", berichtet der Grünewalder. Zwei alternative Strecken habe er vorgeschlagen, die gleich von den Planern angenommen worden seien. "Das habe ich so noch nicht erlebt, dass die Planer gegenüber den Naturschützern so aufgeschlossen sind und uns so viel entgegenkommen", erzählt Uhl. Nach seinen schriftlichen Einwänden seien die Planer persönlich bei ihm erschienen und hätten sich das Naturschutzgebiet Seewald mit der ursprünglichen Trassenführung und den beiden vorgeschlagenen Alternativen zeigen lassen.
Auch Angelika Becker, Mitarbeiterin des Nabu Brandenburg, bestätigt, dass die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro und Wingas hervorragend ist. "Die Planer sind sehr kooperativ, und wir sind positiv angetan, dass wir schon im Vorfeld so gut in die Planungen mit einbezogen wurden", erklärt sie. Bis Mitte September muss sie die Stellungnahme des Nabu zum laufenden Raumordnungsverfahren einreichen. "Darin werden wir uns nicht gegen das Bauvorhaben stellen, so viel kann ich jetzt schon sagen", verrät Becker. Das Planungsbüro hat die beiden Varianten von Klaus Uhl nach Angaben von Stefan Leunig, Pressesprecher der Wingas GmbH, erstmal in die Zeichnungen aufgenommen. Nun müssten sie durchgerechnet werden, um zu sehen, welche die bessere ist. Von der ursprünglichen Route seien sie zugunsten des Naturschutzgebietes völlig abgerückt.
"Die beiden alternativen Strecken haben auch Vorteile für die Bauherren, die sie vorher gar nicht gewusst haben", erläutert Naturschützer Uhl. Die ursprünglich geplante Trasse hätte durch einen ehemaligen Tagebau geführt, dessen Bodenfestigkeit nicht feststehe, und außerdem wären dem Bauprojekt einige Hektar Wald zum Opfer gefallen. "Und alles, was wir im Zuge der Baumaßnahmen an Bäumen abholzen, müssen wir später bei der Renaturierung wieder aufforsten", bringt es Stefan Leunig auf den Punkt. Deshalb seien sie über jedes Stück Land dankbar, dass nicht durch Wald führe.

Von Ostseepipeline profitieren
Der nordbrandenburgische Abschnitt der Opal beginnt nach Angaben des brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung im Norden des Landes bei Schönfeld (Uckermark), verläuft durch das östliche Brandenburg und endet südlich von Spreenhagen (Oder-Spree) an der Grenze zum Landkreis Dahme-Spreewald an der Autobahn 12. Der südbrandenburgische Teil beginnt an der A 12, verläuft Richtung Süden vorbei an Groß Köris, Rietzneuendorf, Luckau (alle Dahme-Spreewald) sowie Finsterwalde (Elbe-El ster) und endet zwischen Elsterwerda (Elbe-Elster) und Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) an der Landesgrenze zu Sachsen. Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) birgt das Projekt große Möglichkeiten für die Zukunft Brandenburgs: "Mit der Südanbindung Opal hat das Land die Chance, von der Ostsee-Pipeline direkt zu profitieren", so der Minister. In der Bauphase durch Aufträge an regionale Firmen und perspektivisch durch eine verbesserte Infrastruktur zur Erdgasversorgung bei großen Investitionsvorhaben im Land.
Die Opal-Gaspipeline soll ab dem Jahr 2010 Erdgas aus Russland weiter in den Süden transportieren. Mehr als eine Milliarde Euro investiert die Wingas GmbH dafür in die neue Leitung von Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) nach Olbernhau (Sachsen).
Ein Eingriff in die Natur ist dabei nicht zu vermeiden. Nach Angaben des Unternehmens wird für das Verlegen der Leitungen in mindestens einem Meter Tiefe eine Arbeitsfläche von 28 bis 36 Metern Breite benötigt, die später zum Teil wieder bepflanzt wird. "Ein etwa zehn Meter breiter Korridor muss allerdings frei von Bäumen und Sträuchern bleiben, damit die Rohre nicht durch Wurzeln beschädigt werden", berichtet Stefan Leunig. "Am Ende zeugen nur noch gelbe Markierungspfähle davon, wo die Leitung verläuft", ergänzt der Pressesprecher. Die Flächen könnten nach dem Bau wieder landwirtschaftlich genutzt oder landschaftlich gestaltet werden.

Bauvorbereitung 2008
Nach dem Raumordnungsverfahren, bei dem bis Ende September die genauen Korridore für die Trassenführung festlegt werden sollen, folgt bis zum Herbst 2008 das Planfeststellungsverfahren. Ende 2008, so hat es die Wingas GmbH geplant, sollen dann die ersten bauvorbereitenden Arbeiten in Angriff genommen werden.
"Das Verlegen der Leitungsrohre soll schließlich spätestens Anfang des Jahres 2009 beginnen und etwa neun Monate dauern", erläutert Leunig. Das sei ein ehrgeiziger Zeitplan, der aber zu schaffen sei. "Im Interesse des Umweltschutzes werden die Eingriffe in Natur und Landschaft dabei so gering wie möglich gehalten und genaue Absprachen von uns mit den Naturschutzverbänden getroffen", schildert der Wingas-Pressesprecher das Vorgehen des Konzerns.
Die Vögel könnten also auch in Zukunft in den Bäumen des Naturschutzgebietes Seewald zwitschern. Und Kraniche aus Estland, Dänemark, Polen und Tschechien rasten im Herbst auf dem Weg in den Süden weiterhin zu Hunderten in den sumpfigen Mooren.

Daten und Fakten Gaspipeline Opal
 Die Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung (Opal) soll ab dem Jahr 2010 von Greifswald aus russisches Erdgas, das durch die Gasprom-Leitung in der Ostsee nach Deutschland kommt, in Richtung Süden transportieren.
Länge: insgesamt 480 Kilometer, davon 270 Kilometer durch Brandenburg
Leitungsdurchmesser: 1,40 Meter
Transportkapazität: mehr als 30 Milliarden Kubikmeter pro Jahr
Baubeginn: geplant für En de 2008/Anfang 2009
Inbetriebnahme: geplant für das Jahr 2010
Kosten: mehr als eine Milliarde Euro