Aber immerhin hat die Abteilung in den letzten Wochen wieder auf sich aufmerksam gemacht mit den Details für einen neuen Berlin-Brandenburgischen Versuch der Regionalpolitik. Das übriggebliebene Behördenunikat arbeitet seinerseits in einem Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit, als Berlin noch eine nicht so große Stadt war und Potsdam in einiger Distanz. Das Militärwaisenhaus, erbaut 1724, gehört zu den architektonisch reizvollsten Gebäuden der einstigen preußischen Residenzstadt und jetzigen brandenburgischen Landeshauptstadt. Die alten Mauern spiegeln all die Umwege und Irrwege wider bei der Suche, dem Wiederentdecken des Gemeinsamen in einer Region, die von der Geschichte immer wieder mit neuen Grenzen gestraft wurde.
Genau die sollen von der Abteilung GL des brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung und der Berliner Senatorin für Stadtentwicklung überwunden werden. Chef der insgesamt 90 Mitarbeiter ist ein Brandenburger Beamter, Ministerialdirigent Gerhard Steintjes. Steintjes ist aber auch ein waschechter Berliner, während sein Stellvertreter, der Berliner Leitende Senatsrat Peter Schirmer aus der Pfalz kommt. So vertritt der Großstadtjunge in Potsdam das flache Land und der Mann aus der westdeutschen Provinz die Metropole.
Neun Referate hat die Abteilung und beschäftigt sich vor allem mit jenen grobschlächtigen Planvorgaben, die wiederum die Grundlage bilden für die auf kommunaler Ebene beschlossene Flächennutzung. Der Einwohner Brandenburgs merkt in aller Regel wenig von der Arbeit der GL. Aber in ihr fallen die Vorentscheidungen, die beispielsweise dann dazu führen, dass die Landesmittel für den Ausbau der Infrastruktur an dem einen Ort etwas reichlicher und an anderen eher nicht fließen. Das nennt sich dann die Bestimmung zentraler Orte und ihnen zugeordneter Bereiche, sogenannter Raumzellen - ein Vorgang, der bei den Bürgermeistern des Landes wieder und wieder für Aufregung sorgt. Die GL ist auch dafür verantwortlich, wo beispielsweise großflächig der Einzelhandel genehmigt werden soll und bestimmt somit die Einkaufswege der Brandenburger. Und schließlich sollte sie auch bei der Verkehrspolitik m itreden.

Entscheidungen werden vorbereitet
Sie sind in diesen Tagen ziemlich beschäftigt damit, in jedem dieser einzelnen Felder neue Vorschläge soweit festzuzurren, dass sie den beiden Landesregierungen zur Entscheidung vorgelegt werden können. Aus der in Potsdam für notwendig erachteten Neuorientierung der regionalen Förderpolitik ist inzwischen ein in der länderübergreifenden Planungsabteilung erarbeitetes Dokument geworden, das den Namen Leitbild für die "Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg" trägt. Es führt zwangsläufig auch zu einer Neudefinition und dem Ausbau der gemeinsamen Planung. Davon sind die Frauen und Männer in Steintjes Abteilung derzeit um einiges entfernt, denn erst 2008 wird der neue, gemeinsame Landesentwicklungsplan von der Abteilung in allen Details erarbeitet sein.

"Stärken stärken"
Die großen politischen Linien wurden vorher anderswo festgelegt. Als Brandenburg vor zwei Jahren den fehlgeschlagenen Versuch stoppte, flächendeckend zu fördern und Ministerpräsident Matthias Platzeck eine Konzentration der Anstrengungen unter dem Motto "Stärken stärken" verlangte, waren die Mitarbeiter der Landesplanung nicht weniger überrascht als die Öffentlichkeit. Ausgebrütet wurde der Coup mit dem Strategiewechsel in einem Denkerzimmer der Potsdamer Staatskanzlei. Berlin war daran zunächst gar nicht beteiligt. Aber der gemeinsame Planungsprozess, so sagt der Potsdamer Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) laufe inzwischen viel reibungsfreier als früher. Er und seine Berliner Kollegin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zögen genauso am gleichen Strang wie die Mitarbeiter in der fusionierten Abteilung. Das sei nicht immer so gewesen. Man sehe jetzt auch, dass Berlin viel flexibler geworden sei, sich nicht sperre gegen die zusätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die Potsdam den Gemeinden direkt an der Grenze der Metropole einräumen will.
Und tatsächlich sind die Bestandteile dieser gemeinsamen Planung wesentlich enger verzahnt. Die Benennung von neuen Siedlungsachsen endet nicht länger an den Berliner Stadtgrenzen. Mit der Neuorientierung auf das Berliner Umland ist offensichtlich auch der Wunsch gewachsen, mit dem jeweiligen Partner möglichst viel möglichst präzise fest zu legen. Offen ist derzeit noch, was dies für Regionen wie die Prignitz oder die Lausitz bedeutet.
Das Experiment aus den Tagen der Fusionsträume ist jetzt schon mehr als ein alleingelassenes Kind im Waisenhaus aus einer nie zustande gekommenen Ehe. In manchem arbeitet es heute, als sei der Fusionszug nie gestoppt worden. Und es könnte, den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt, schnell und umfassend noch viel stärker aktiviert werden. Denn nirgendwo sonst in den großen Veraltungsapparaten beider Länder ist das Gemeinsame wie das Trennende ganz einfach und hinreichend kompetent abrufbar. Ob dieses inzwischen gewachsene Miteinander allerdings weiter wirkt, als in den engen Grenzen des Staatsvertrags, der der Bildung der gemeinsamen Abteilung zu Grunde liegt, wird sich an einfachen Fragen festmachen. Beispielsweise daran, welche Rolle Berlin spielen soll, wenn die überfällige Neuordnung der brandenburgischen Kreise begonnen wird.