Februar 1999, als PKK-Führer Abdullah Öcalan nach einem 15-jährigen Guerillakrieg mit mehr als 30 000 Toten gefasst wurde. Jetzt wurde der 28. August 2006 besonders vermerkt, an dem Terrorbomben in den Touristenstädten Antalya und Marmaris Tod und Zerstörung brachten.

Bombe zur Amtseinführung
Während die Europäische Union, die mit der Türkei über einen Beitritt verhandelt, die jüngste Terrorwelle als "barbarisch und feige" verurteilte und den Betroffenen ihr Beileid aussprach, kam den Offiziellen in der Türkei lange kein Wort der Verurteilung über die Lippen. Dabei waren alle, die in Regierung, Opposition und Armee Rang und Namen haben, versammelt, als gegen 16.30 Uhr die Bombe in Antalya hochging. Bei der Amtseinführung des neuen Armeechefs Yasar Büyükanit in Ankara war viel von vielfältigen Bedrohungen die Rede, denen sich die Türkei mehr denn je ausgesetzt sehe. Die Bombenserie in den Badeorten wurde mit Schweigen übergangen.
Damit verfolgt die Türkei ihre gewohnte Linie, kurdischen Extremisten mit keiner wie auch immer gearteten Reaktion Genugtuung zu verschaffen. "Wir vergießen vor aller Öffentlichkeit keine Tränen mehr", ist in jüngster Zeit häufig von türkischen Soldatenwitwen zu hören, wenn sie am Grab ihrer im Kampf gegen militante Kurden gefallenen Männer stehen. Terroristen, aber auch kurdische Politiker und Parteien, die es ablehnen sich von der PKK zu distanzieren, sind für die Regierenden in der Türkei kein Ansprechpartner. Sie werden es auch niemals sein, beteuert die Regierung.

"Grenzenlose Wut"
Auf der anderen Seite des tiefen Grabens, der die Türkei durchzieht, stehen die extremen Freiheitsfalken Kurdistans. Sie haben sich dem aussichtslosen Ziel verschrieben, den seit sieben Jahren inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan mit Gewalt und Bomben freizupressen. "Unsere Wut kennt keine Grenzen, deshalb sind auch unsere Aktionen grenzenlos", drohen sie. "Sie werden weitergehen, bis die Türkische Republik am Boden liegt."
Möglicherweise können die Extremisten damit sogar auf Sympathie in Teilen der kurdischen Bevölkerung rechnen, die in "Apo", wie Öcalan auch genannt wird, immer noch ihren historischen Führer sehen. Auf Kundgebungen im türkischen Südosten tauchen immer wieder die Farben der PKK und Öcalan-Poster auf. Selbst die derzeit größte legale Kurdenpartei in der Türkei, die Partei für eine Demokratische Gesellschaft (DTP), setzt sich für ein Ende der Einzelhaft Öcalans ein und fordert eine Generalamnestie für die PKK-Kämpfer. Einstellung der Kämpfe ja, aber nur wenn auch die türkische Armee von einer weiteren Verfolgung absieht. Die Zeichen für eine friedliche Lösung des Kurden-Konflikts in der Türkei stehen schlecht.